Myanmars klassische Musik bis heute

Am Hof und im Haus: Modi, Leitern, Instrumente

Obwohl westliche populäre Musik seit den 1930er Jahren großen Einfluss in Myanmar gewann und dies trotz repressiver staatlicher Intervention während der sozialistischen Regierungszeit, behaupteten sich in Burma, dem heutigen Myanmar, indigene klassische Traditionen. Mit Musik an und für sich hatte der Theravada-Buddhismus seine Probleme, denn er verurteilte sie als „dekadent“. Dennoch sind gerade die ältesten Strömungen im Land chinesischen Ursprungs, was eine ähnliche Verwendung von pentatonischen Leitern zeigt; auch indische Musik wurde und wird rezipiert. Anders als unsere Klassik kennt diejenige Burmas vielerlei Modi, alleine neun für nur ein Ensemble …

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Oboe, Flöte, Harfe, Xylophon: Instrumente aus Myanmar (Luca Nebuloni, 13.7.2015, CC-Liz.).

Einem anderen Stilbereich gehört die Mon-Musik an, die sich teilweise im dominierenden Mahagita-Komplex wiederfindet, der alle denkbaren typischen Musikgattungen des Landes sammelt. Bemerkenswert ist, dass man, partiell vergleichbar mit Europa, deutlich zwischen Hausmusik und öffentlicher Musikaufführung unterscheidet. Letztere herrschte am Hof vor, wo insbesondere die königliche Pflugzeremonie klanglich repräsentiert wurde. Zum Instrumentarium gehören hier eine Doppelrohroboe, eine zweifache Trommel, Glocke, Bambusklapper und das Gandama, eine Trommel mit zwei Spielflächen.

Klassisch ausgebildete Sängerinnen aus Burma vor einer thailändischen Delegation (Peerapat Wimolrungkarat, Naypyidaw, 11.10.2010, flickr, CC-Liz.)

Zu einer Gesamtaufführung der höfischen vielteiligen Mahagita zählen klassische Liedgesänge, thachin gyi, ebenso wie das yodaya aus Thailand, mit dem Talaing than kommen Einflüsse aus der Musik der Mon-Ethnie hinzu.

Vergleichbar der westlichen Kammermusik kommt die Hausmusik Myanmars mit leiseren Tönen aus. Hier spielen neben einer Sängerin ein Musiker an der saung, einer vierzehnsaitigen Bogenharfe, ein zweiter am Xylophon sowie die Verwendung von Zither und Flöte eine größere Rolle; früher wurden außerdem noch Fidel und eine Art von Mundorgel gebraucht.

Literatur u.a.
Robert Garfias: Speech and Melodic Contour Interdependence in Burmese Music. College Music Symposium XXI. Nr. 1. 1981.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.