Großes Geburtstagsjubiläum am 13. September 2019

Komet der Virtuosität und der Tonkunst: Clara Schumann

Statt Robert Schumann steht dieses Jahr seine Frau Clara Wieck ganz im Zentrum der Aufmerksamkeit, deren Produktivität als Komponistin zu Lebzeiten nicht anders als diejenige der meisten hochtalentierten Frauen, durch häufig zugemutete Verbannung in den häuslichen Bereich, leiden musste. Mit der Geringschätzung weiblicher Tonkunst zu ihren Lebzeiten, die etwa in der fehlenden Symphonik zum Ausdruck kommt, ging freilich der faktische Ruhm als Klaviervirtuosin nicht einher, der ihr dank und auch gegen die Kritik bis zu einem gewissen Grad zuteil wurde.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Clara Schumann (1819 – 1896) im Alter von knapp 20 Jahren: Lithographie von Andreas Staub (D p.d.)

Während die offizielle Geburtstagsfeier noch bis zum 13. September warten muss, einige Lebensdaten der „rehabilitierten“ Komponistin: Geboren in Leipzig 1819, als sich Europa vom Schock der Napoleonischen Feldzüge und von Staatspleiten nur langsam zu erholen begann, gab sie schon mit 11 Jahren ihr erstes Konzert im Leipziger Gewandhaus, ein Jahr später erschien ihr Opus 1 im Druck. Bereits das dritte ist Robert Schumann gewidmet, der in diesen Jahren im Haus Wieck wohnt. Ihre Auslandstourneen führen Clara am häufigsten nach England, öfter auch nach Österreich, in die Niederlande, in die Schweiz, Ungarn und Belgien. Durch Frankreich, Dänemark und  – mit großem Erfolg – Russland tourt sie gelegentlich; bei alledem sind acht Kinder zuhause zu erziehen, von denen eines nicht überlebt. Sie ediert Chopins Werke, unterrichtet als Klavierprofessorin viel, arbeitet an der Gesamtausgabe der Werke ihres Mannes, erhält eine Medaille vom bayerischen König und wird zum Ehrenmitglied der Londoner Royal Academy of Music ernannt.

Als Nr. 78 der Reihe Das roantische Klavierkonzert erschien zum Jubiläumsjahr von Clara Schumann ihr Klavierkonzert a-Moll beim Label Hyperion (ASIN: B07MBHQYSN, 2019).

Erst vor kurzem widmete sich nun schon zum dritten Mal auf CD anlässlich des 200. Jubiläumsjahrs 2019 Ragna Schirmer ihrer honorablen Musikerkollegin, indem sie ihre Klavier-Solostücke einspielte und dazu gleich diejenigen, die im unmittelbaren und weiteren Umfeld Clara Schumanns zur Zeit ihrer großen Auftritte entstanden sind. Eine Referenzaufnahme der Klavierwerke (ohne Orchester) bleibt freilich die schon Anfang der 1990er Jahre unternommene Gesamteinspielung durch Jozef De Beenhouwer beim Label cpo, ebenso viel Echo fand die Naxos-Edition mit Iwai Yoshiko am Flügel. Franz Vorrabers Interpretation aus dem Jahr 2011 hingegen profitiert von der Nutzung des Wieck-Flügels im Schumann-Haus und davon, dass er auch parallel entstandene Stücke Robert Schumanns einbezieht. Clara Wiecks außergewöhnliches Klavierkonzert in a-Moll op. 7 fand häufiger als das Trio Nr. 7 und die Klavier-Solomusik, wenn auch nicht in dem Maße wie die Lieder und Chorwerke, auf den Tonträger; nach dem famosen Francesco Nicolosi und der afrikanischstämmigen Isata Kanneh-Mason verschrieb sich ihm zuletzt der Pianist Howard Shelley, der hier gleichzeitig das Tasmanische Symphonieorchester leitet.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.