Neue(re) Beiträge zu Jubilarien

Markt der Möglichkeiten – und genutzter Chancen

Ein Musterbeispiel für einen gut und pluralistisch funktionierenden internationalen Markt, der von Hegemonien nur leicht getrübt erscheint, ist derjenige der Tonträger: Sei es auf CD, Vinyl oder qualitativ (noch) hochwertige(re)n digitalen Medien im Internet, hier lassen sich auch die runderen Geburtstage namhafter oder noch im Schatten anderer stehender Komponist/inn/en an neuen Aufnahmen verfolgen – etwa Clara Schumanns 200. Jubiläum, zu dem im weiteren Verlauf dieses Jahrs zahlreiche Konzerte und weitere Editionen ihrer Musik zu erwarten sind.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Bereits der 3. Teil der Streichquintette George Onslows liegt noch vor seinem 265. Jahrestag vor; es spielt das spanisch-europäische Elan Quintet (ASIN: B07K138Y8T, Naxos 2018).

Zunächst sei George Onslows anlässlich seines 235. Geburtstags am 27. Juli 2019 gedacht. Als Cherubinis Nachfolger wurde der aus britisch-französischer Familie in  Clermont-Ferrand stammende Komponist 1842 zum Leiter der Pariser Académie des Beaux Arts gewählt. Neben zahlreichen Beiträgen zur Kammermusik mit alleine 34 Streichquintetten und 10 Klaviertrios machte sich Onslow, dessen Stil an der Wiener Klassik orientiert ist, einen Namen als Urheber dreier heute selten gespielter Opern, L’Alcalde de la Véga, Le colporteur und Gaise. Mit dem in Spanien verorteten Elan Quintet wurden zuletzt als Welterstaufführungen seine etwa auf 1847 zu datierenden Streichquintette 28 und 29 eingespielt.

In Schweden angesiedelt ist der Stummfilm Song of the Scarlet Flower, den Armas Järnefelt 1919 dramaturgisch sinnfällig orchestrierte (ASIN: B07KM3HCT6, Ondine 2019).

Edvard Armas Järnefelt, dessen 150. Geburtstag am 14. August 2019 wiederkehrt, erblickte das Licht der Welt im finnischen Vipori, studierte bei Wegelius und Busoini am Musikinstitut Helsinki, ging aber dann für einige Semester nach Berlin und nach Paris, wo er von Jules Massenet unterrichtet wurde. Außer Kantaten und Liedern widmete sich der spätere Stockholmer, schließlich in Helsinki tätiger Opernkapellmeister  insbesondere symphonischen Dichtungen: 1894 entstand Korsholm und 1919 mit Jubiläum gleichermaßen in diesem Jahr Forsfärden („Fors‘ Reise“). Zum Stummfilm Song of the Scarlet Flower schrieb Järnefelt ebenfalls 1919 einen siebenteiligen symphonischen Zyklus, der vor einem halben Jahr beim Label Ondine mit dem schwedischen Gävle Symphony Orchestra auf CD erschien.

Sven Erik Bäck (1919 – 1994) gilt als gemäßigter Moderner; er dirigierte langjährig das schwedische Kammerorchester (ASIN: B000025W30, Caprice 2019).

Mit Sven Erik Bäck, dessen 100. Geburtstag auf den 16. September 2019 fällt, bleiben wir in Schweden: Die Ultra-Avantgarde war nicht Sache des (1994 verstorbenen) Stockholmer Dirigenten des schwedischen Kammerorchesters, vielmehr schrieb er unter dem Einfluss Hindemiths in einem moderat modernen Stil, wandte sich später aber auch der Zwölftontechnik zu. Ab 1959 verantwortete Bäck zudem die Leitung der Musikschule auf Schloss Edsberg. Beim Label Caprice ist nun eine breite Auswahl seiner Kammermusikwerke herausgekommen, die außer Klavierpräludien, zwei Streichquartetten und einer Solo-Sonate für Flöte die dreisätzige Favola für die ungewöhnliche Besetzung mit Klarinette und fünf Perkussionisten zum Klingen bringt. Unter anderen Musikern ist auf der CD The Berwald Quartet zu hören.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.