Pfade durch die Musiklandschaft Australien LXIII

Beim Wort zu nehmen: Ein internationales Fest der Künste

Seit nunmehr 33 Jahren existiert in Melbourne eines der größten Musikfestivals weltweit. Sein Aufführungskalender umfasst nahezu sämtliche Genres klassischer, folkloristischer und internationaler Tonkunst, hinzu kommen das Theater und mit besonderer Akzentsetzung der (zeitgenössische) Tanz. Wegen seines schieren Umfangs, den mehr als eintausend Künstler bestreiten, findet es jedes Jahr im Oktober in mehreren Sektionen statt. Bei den Bewohnern der südaustralischen Metropole ist es nicht zuletzt deshalb außerordentlich beliebt, weil es zu bestimmten Events freie Familienkarten anbietet.

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Die ‚Federation Bells‘ wurden 2015 vom Melbourne International Arts Festival als Künste verbindendes Objekt in Auftrag gegeben. (Drastic draper, 2.5.2015, CC-Liz.).

Eigentlich hat die Initiative Melbournes ein italienisches Vorbild. Genauer gesagt: Das ursprüngliche Festival wurde parallel zum Festival dei Due Mondi von Spoleto entwickelt, das es ursprünglich bereits seit 1958 gibt. Seinen Namen erhielt es durch die Kooperation mit einem Festival in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina, daher trägt es „zwei Welten“ in seinem Namen. Um 1990 kam es allerdings zur Trennung beider Festivals, daher ging Gian Carlo Menotti eine neue „Partnerschaft“ mit Melbourne ein, die bis heute vergleichbare Früchte trägt. 2016 angetreten zeichnet Jonathan Holloway als Direktor des Melbourne International Arts Festival.

Textilkunst der Pitjantjatjara People an der südaustralischen Küste: Musiker dieser Regionen waren erstmals 2006 auf dem MIFA zu Gast (Artist: Tommy Watson, National Gallery of Australia, 8.8.2014).

Inländische Konkurrenz kommt von Adelaide und Sydney, wo vergleichbare Events in regelmäßigem Turnus veranstaltet werden, die ebenfalls auch international aufgestellt und damit für verschiedene Einflüsse von außen offen sind. 2006 erst wurden durch die Zusammenarbeit mit Ngapartji Ngapartji auch Beiträge von Aborigines-Musikern in deren eigener Regionalsprache, dem Pitjantjatjara, übernommen. Im Zuge der nicht erst im frühen 21. Jahrhundert einsetzenden Rezeption süd(ost)asiatischer Musik kam es auch zu einer Fusion-Aufführung aus differenten Klangkulturen: Das Australian Art Orchestra mischte unter Mitwirkung von Zheng Sheng Li einheimische Musik mit traditioneller aus der chinesischen Provinz Seshuan.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.