Die nicht gerade kurzlebige Hoheit des Byzantinismus über die Kultur brachte es in Griechenland mit sich, dass die Kunstmusik, wie sie sich in der Sattelzeit zu entwickeln begann (und sich später emanzipierte), zu einem großen Teil auf Kirchenmusik baute, während sie zum anderen Teil auf nicht notierter Folklore fußte. Die frühe Phase der Orientierung an Volksmusik vertrat Nikolaos Mantzaros (1795 – 1872), der auch die Staatshymne komponierte und gewissermaßen die national(romantisch)e griechische Schule begründete.

Mantzaros‘ ‚Hymne an die Freiheit‘ (‚Hymnos eis tin eleftheria‘) wurde 1864 zum griechischen Gemeingut (Lyra, ASIN: B00DHPUF8M).

Allerdings avancierte seine Hymne an die Freiheit, deren Text Dionysios Solomos verfasst hatte, in Zeiten osmanischer Vorherrschaft erst 1864 tatsächlich zur offiziellen Nationalhymne. Die Studienjahre hatte Mantzaros auswärts, in Neapel am Conservatorio di San Sebastiano absolviert. Dementsprechend zeugen seine Sinfonien und Arien vom italienischen „gusto“.

Nikolaos Halikiopoulos Mantzaros im Ημερολόγιον Σκόκου (‚Imerologion Skokou‘), in dem Porträts prominenter Griechen versammelt sind (1890, GR p.d.).

Erst nach etlichen Jahren des Schaffens von Instrumentalmusik, zu denen vier Symphonien gehören, ließ sich der Ende des 18. Jahrhunderts auf Korfu geborene spätere Komponist und Musikpädagoge auf Vokalwerke ein, zu denen er von da an fast ausschließlich beitrug. Wie Mozart bearbeitete er Metastasios Libretto La clemenza di Tito zur Oper, nachdem er auf Korfu 1815 erstmals einen Opernstoff vertont hatte und 1823 einen ersten großen Treffer mit der Grande Sinfonia militare gelandet hatte, deren Entstehung zunächst freilich durch die Umstände der Freiheitskämpfe plausibel wird. Mantzaros bewegte sich gerne auch in den Gefilden der Kammermusik, wovon etwa das Bläserquintett El Gato Montés ein beredtes Beispiel gibt.

Diskographie

Von Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.