Rolo Tomassi, Köln, MTC, 30. Juli 2019

Gebrochene Hochstimmung

Eva Spence, Rolo Tomassi, MTC Köln (Daniela Regenhard)

Ihre – diesjährig – einzige Clubshow im deutschsprachigen Raum gerät der ausgesprochen eigensinnigen Band aus Sheffield zu einem veritablen Triumph. So auch das von den Geschwistern Eva (Gesang) und James Spence (Keys) vor vierzehn Jahren ins Leben gerufene Mathcore-Konsortium mit reichlich Verspätung im Kölner „Quartier Lateng“ aufschlägt. Es besteht Bedarf an logistischer Improvisation. Doch das Set an sich läuft nichtsdestoweniger – wie ein 16-Takter auf Hochtouren.

Spätestens als sich bei der finalen Trias Opalescent, Aftermath und A Flood Of Light ein munterer Moshpit in der Sauna namens MTC austobt, ist die Sache klar: Sämtliche gewagte Breaks, die das an diesem Abend trotz der Umstände souverän dargebotene Songmaterial aufbietet, tun der Party-Stimmung keinerlei Abbruch. Das mag für ein tolerantes Musikverständnis des Publikums sprechen.

Oder eben (und eher) für die geradezu militärische Hingabe, mit der die Band Rolo Tomassi ihre Diplomatie buchstabiert. Dabei ist das „Energiebündel“ Eva Spence am Mikro kaum als allzu bewusst kalkuliert agierende Showmasterin zu werten. Vielmehr beeindruckt das wohl auf fünf Köpfe verteilte – und somit ausgewogene – Spiel mit Attraktion und Intimität.

Nathan Fairweather, Rolo Tomassi, MTC Köln (Daniela Regenhard)

Zudem erweist sich die vermeintliche Frechheit, auch in einem kleinen heißen Rock-Schuppen allen Ernstes eine perfide eingestellte Lichtsetzung zu etablieren, als Erregungsfaktor. Doch dieser wird rasch zerrieben, so schon bei dem offenbar von Achterbahn-Entwicklern inspirierte Funeral an zweiter Stelle.

Vielleicht wäre „noch mehr gegangen“. Vielleicht wurden die Tracks nicht komplett ausgereizt. Derlei Spekulationen – hinsichtlich einer ungewissen „Luft nach oben“ – verpuffen im Zuge des Einwands kollektiv komplett verschwitzter Leiber im Auditorium. Eines Auditoriums, das mit Applaus nicht geizt. Vollkommen zurecht.

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