International gefragt: Die Mediathek bei Ludwig Beck in München

Klassikschätze über dem Marienplatz

Angesichts bequem verfügbarer digitaler Musikdateien im Internet mögen manch einem Tonträger wie CDs oder gar Vinylplatten zwar etwas antiquiert erscheinen, doch bedeutet dies nicht etwa einen Mangel an Nachfrage, nicht einmal bei der jüngsten und jüngeren Generation. Bei Licht besehen bedeutet eine große Musikbibliothek mit wenigstens vier realen Wänden – abzüglich abzuwägender ökologischer Bedenken – ja auch etwas Positives, sie ist dreidimensional begehbar, dadurch vermitteln sich natürlicherweise andere Eindrücke, geistige Bewegungen, kreuz und quer gedachte Assoziationen und Ideen als im rein virtuellen Raum.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

In der historischen Straße Mallebergplaats von Brügge ist auch das Traditions-Tonträgerhaus Rombaux zuhause (PMRMaeyaert-Mai-2011, CC-Liz.).

Angesichts der rasanten digitalen Entwicklung ist es schon ein kleines Wunder, dass es sie weiterhin gibt: die Plattenläden, von denen ja eine großdimensionierte Stadt wie Paris oder Berlin zahlreiche hat. Einen schönen Sortimentsumfang bietet beispielsweise in Westeuropa das nahezu singuläre, einem barockisierenden Antiquitätengeschäft ähnliche Rombaux Bvba im beschaulich-lebendigen belgischen Brügge, das bereits in dritter Generation arbeitet und nebenan einen Musikinstrumentenladen betreibt. Doch soweit braucht man nicht zu fahren, auch hierzulande wird man fündig.

Im Unterschied zur Medienbibliothek wie hier in der New orker ibrar for the Performing Arts bietet ein großzügig sortierter CD-Laden auch das Neueste vom Neuen (Kosboot, 9.9.2001, CC-Liz.).

Etwa im fünften Geschoss des vor allem für Mode bekannten Kaufhauses Ludwig Beck hoch über dem Münchner Marienplatz: Dort liegt die mit schönem Holzfurnier und angenehmem Lampenlicht ausgestattete riesige Klassikabteilung, die über mehr als nur ein Alleinstellungsmerkmal in der deutschen Kulturlandschaft verfügt. Das für physisch greifbare Tonträger jeglicher Art, sei es die „Schallplatte“ oder Blu-Rays reservierte Stockwerk verfügt über einen Stab ambitionierter und (nicht nur) in den News bestens informierte Mitarbeiter, die alle Besucher, Stammkunden wie Gelegenheitskäufer oder Touristen mit Charme und Witz, Leidenschaft und Energie beraten.

Auf diesem Parkett läuft sich weltweit angereistes musikinteressiertes Publikum beim Shoppen und Bummeln über den Weg: Im 5. Stock des Münchner Kaufhauses Ludwig Beck an der Ecke Marienplatz / Burgstraße (Fentriss, April 2018, CC-Liz.).

Über eine Bibliothek deutlich hinaus geht die Abteilung vor allem im Anspruch des Neuen; dort ist man, was Aufnahmen betrifft, auf tagesaktuellem Stand und über Neuerscheinungen in (naher) Zukunft voreingestellt. Die überdies vortreffliche Klimatisierung, Sitz- und Hörmöglichkeiten und ein Buchbereich sorgen für beste Unterhaltung und verführen zu längeren Aufenthalten. Auch Internationale Folklore, Hörbücher für Kinder wie Erwachsene, Jazz, Rock und Pop bieten sich in ordentlichem Umfang zum Durchstöbern oder zum gezielten Durchsuchen an; neueste Raumklanglösungen lassen sich mit den Devialet-Lautsprechern erkunden.

Khatia Buniatishvili gastierte in Ludwig Becks Musikforum dieses Jahr im März (Foto: in Stockholm anlässl. Art on Ice, 13.3.2014, Frankie Fouganthin, CC-Liz.).

Live-Events mit prominenten Musikern oder Experten sind hier an vielen Tagen im Jahr krönender Höhepunkt: Am 19. Juli gastierte Chick Corea in der Musikabteilung, zuvor waren es Größen wie Ragna Schirmer, Maurice Steger und Raphaela Gromes; die Pianistin Khatia Buniatishvili gab im März eine Kostprobe aus ihrer Neuaufnahme. Das Konzept innerhalb des „Kaufhauses der Sinne“, wie sich der Bau am Nordosteck des Marienplatzes selbstbewusst nennt, geht auch im Hinblick auf die Musik, die im Münchner Kulturleben ohnehin dauerhaft und täglich vielfach präsent ist, auf.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.