Klassik vom Süd- und Nordpol

Zur Abkühlung

An Tagen wie diesen, wenn das Eis selbst kurze Wegstrecken nicht mehr in festem Zustand durchhält, sollte vielleicht dem Gehör zur mentalen Erfrischung ein eisiger Cocktail entweder aus nördlichen oder sehr südlichen Gefilden vorgesetzt werden.

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Miroslav Srnkas ‚Oper South Pole‘ kam in München 2016 zur Uraufführung, im selben Jahr erschien auch eine CD mit Kammermusik des Komponisten ( (naïve, u.a. ASIN: B01LYE17VA).

Die Thematisierung der Erdpole im Musiktheater wurde ja erst vor kurzem durch Miroslav Srnkas Vertonung der dramatischen Historie vom Wettlaufs zwischen Amundsen und seinem Konkurrenten Scott geleistet: South Pole wurde, basierend auf dem Libretto von Tom Holloway am 31. Januar 2016 an der Bayerischen Staatsoper München uraufgeführt. Die Besetzung sieht ein etwas von Normalzuschnitt abweichendes größeres Instrumentalaufgebot vor; dazu kommt neben dem Akkordeon ein vierhändig gespieltes Klavier und mehr Schlagwerk als nach dem Format des gewöhnlichen Strauss-Orchesters vorgesehen.

Hier wohl nur zum Fototermin: Das Arctic Philharmonic Orchestra spielte unter Christian Lindberg – sicher ohne die zerbrechliche Naturregion in größerem Umfang zu belasten – Tschaikowskys Symphonien Nr. 4 bis 6 ein (Detail des Covers, Hybrid SACD, BIS, ASIN: B01LXRXUXP, 2.11.2016).

 

 

Pianist und Komponist Ludovico Einaudi protestierte mit einem Konzert gegen die Zerstörung der (betrachtet man die Erdkugel) gleichzeitig weit entfernten und sehr nahen Arktis. Am Flügel bewies er in der Nordpolregion auf Eis, dass man dort relativ umstandslos spielen kann, aber der Zweck war, dass er damit auf den Zustand und die Ausrottung der Fauna in Gestalt von Eisbären oder Robben dort verwies. Ansonsten dürfte Live-Klassik an den Polen aber bislang selten erklungen sein; immerhin spielte schon Altmeister Mstislaw Rostropovich Cello auf dem Arktiseis.

Musik dürfte in den Anfängen der Arbeit in der amerikanischen, nach den Entdeckern Amundsen und Scott benannten Südpolstation wohl eher von „Konserven“ erklungen sein … (29.1.2005, US p.d.).

Ganz selten mag der eine oder andere Ingenieur in der Forschungsstation am Südpol ein Instrument zum Anstimmen an den grimmig kalten Abenden dabei gehabt haben, ansonsten dürften sich die Crews auf Radio oder Plattenspieler eingestellt haben, wollten sie Kunstmusik aus ferner Heimat lauschen. Die Möglichkeiten waren insgesamt beschränkt; anlässlich des von den USA initiierten Baus der Station im Jahr 1957 wurden Geräte, Maschinen, Material, Ausrüstung und Menschen nur über eine „Luftbrücke“ an den Stützpunkt transportiert, Musik gehörte zu der Zeit wohl eher nicht zum primären Bedarf. Immerhin: Nachdem Musikervereinzelt in Arktis oder Antarktis zu demonstrativen Zwecken für den Naturschutz und im Angesicht der Klimaerwärmung gespielt hatten, fand dort auch das von norwegischer Seite initiierte Arctic Chamber Music Festival auf dem Eis der Polregionen statt.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.