Zwei neue Einspielungen

Septemberlese

Themenorientierte Alben machen seit wenigen Jahren der Übermacht der künstlerzentrierten Aufnahmen durchaus kreative Konkurrenz. Demnächst erscheint Air Music in der Reihe der natürlich auch absatztechnisch gut geplanten Vier-Elemente-Konzeption von Capella de la Torre nach den bisher zusammengestellten Programmen aus „Wasser“ und „Feuer“.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Vokalwerke und tanzorientiert Instrumentales von Thomas Champion und Anthony Holborne oder von Cipriano de Rore und Pierre de la Rue versammelt diese 3. CD der Reihe „Elemente“ der Capella de la Torre (ET: 13.9.2019, ASIN: B07SJY2QFN, DHM).

Zu hören sind teils auch wenig bekannte Kompositionen überwiegend namhafter Renaissance-Komponisten. Unter dem Dirigat von Katharina Bäuml beschwören Sänger und Instrumentalensemble die göttlichen Winde, vor allem den Westwind, und Wesenheiten der Luft, womit mythische Vögel, der in Europa damals noch seltenere Kanarienvogel und andere Tiere gemeint sind, „Windsbräute“ und „Luftschlösser“ gehören ebenso zu diesem bunten Zirkel realer Imaginationen des 15. bis 17. Jahrhunderts – von John Sheppard, Ludwig Senfl, Thoinot Arbeau oder Luca Marenzio. Es ist mit den vier Elementen wie bekannt mit den Portionen der Chipstüte: Einmal angefangen kann man nicht mehr aufhören zu lauschen … Und es gibt noch mehr.

Durchaus „alte Meister“ ihres fachs sind die Herren des Danish String Quartet, hier mit einer Mischung aus Werken Bachs, Beethovens und A. Schnittkes (Prism II, ET: 13.9.2019; ASIN: B07TNVWKTX, Ecm Rec.).

Serienbildung erleichtert das Geschäft auf dem vom Web immer mehr aufgesogenen Klassikmarkt immerhin etwas: So legt das Danish String Quartet jetzt den zweiten Teil seiner Prism-Reihe vor und spielt ein paar Nummern aus Bachs Wohltemperiertem Klavier; Beethovens Streichquartett Nr. 13 B-Dur startet auf der CD ebenso durch wie das komplett unterschiedliche 3. Streichquartett von Alfred Schnittke. Immer mal wieder nimmt das Ensemble auf Originalbesetzung keinerlei Rücksicht, was dennoch im Falle Bachs etwa eine Aufführungsrealität des frühen 18. Jahrhunderts durchaus spiegelt, ganz abgesehen von der satztechnisch für das Gehör gut verträglichen alternativen Stimmenverteilung: Ist der Trompeter gerade verhindert, nimmt man eben den Fagottisten, um die fehlende Stimme zu besetzen …

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.