Die kroatische Komponistin Dora Pejačević

Seismographischer Sinn

Hochsensibel nahm die von mütterlicher Seite aus einer ungarischen aristokratischen Familie abstammende Komponistin Dora Pejačević  jede Anregung, sei es aus der Umgebung, sei es den Künsten oder der Natur auf, um sie in klingende Musik umzumünzen.

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Die als Komponistin außer im Opernfach nahezu in allen Genres komponierende Geigerin Dora Pejačević (1885 – 1923) wurde nur 38 Jahre alt (Miquel Biarnés, 3.6.2016, CC-Liz.).

Die Vermutung liegt nahe, dass die musikalisch Hochbegabte an die Empfindsamkeit und Sensitivität für Seheindrücke, Gerüche, Geräusche und Stimmen, wie sie für das Fin de siècle, der Zeit, in der sie aufwuchs, typisch waren, tief verinnerlichte. Bezeichnend ist vielleicht ebenso, dass „ihr“ Instrument die Violine war, deren Spiel sie am Zagreber kroatischen Musikinstitut, ergänzt durch Studien in Musiktheorie und Instrumentation, vertiefte.

Eine (neue) Aufnahme von Orchesterwerken Dora Pejačevićs war schon 2011 längst überfällig: Volker Banfield spielte ebenso brillant wie sensibel hier mit der Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz die ‚Phantasie Concertante‘ op. 48 ein; Ari Rasilainen dirigiert hier auch die ‚Symphonie‘ op. 41 in fis-Moll (cpo, ASIN: B004R7WGR2, 2011).

Die nach ihrer Heirat später dauerhaft in München lebende Musikschaffende, die sich überwiegend als Autodidaktin verstand, war durch das Erlernen des Orchestersatzes und die Instrumentierung so weit ausgebildet, dass sie – als eine der noch wenigen Frauen um 1910 – ohne weiteres auch technisch bestens auf das symphonische Komponieren vorbereitet war. Seinen Niederschlag fand diese Ausrichtung in verschiedenen Teilgenres, sowohl in einem Klavierkonzert in g-Moll von 1913, in ihrer fis-Moll-Symphonie, die in den Jahren von 1916 bis 1918 entstand, in der unwesentlich später geschriebenen Phantasie concertante d-Moll für Klavier und Orchester sowie in einer Ouvertüre in d-Moll für großes romantisches Symphonieorchester.

In Našice ist bis heute das Stammhaus der Komponistin zu sehen (Dvorac Pejačević, Samir Budimčić, Kroat. p.d.).

Nicht nur an kultureller Abwechslung orientiert zeigte sich Dora Pejačević auch äußerst reiselustig: Sie war häufig zwischen Dresden, wo sie ihr Studium fortgesetzt hatte, in Budapest, Wien, München, Berlin und Prag unterwegs. Den größten Anteil ihres Schaffens nimmt wohl die Kammermusik einschließlich zahlreicher Liedkompositionen sowie der Klaviersolowerke ein. Auch hier war sie bestrebt, ihre mannigfachen Eindrücke insbesondere aus der (frühlingshaften) Natur in ebenso diversifizierten Genres einzubringen: Die Romanze für Violine und Klavier steht neben einem Quartett mit Klavier, einer Slawischen Sonate, dem Lied An eine Falte, einem Ave Maria für Stimme, Orgel und Violine, dem Lied Verwandlung, dem Klavierstück Blütenwirbel, zwei Nocturnes in Chopins Tradition, Chansons sans paroles und Valse de concert.

Diskographie Dora Pejačević

Biographie:
Koraljka Kos: Dora Pejačević. Leben und Werk. Musikinformationszentrum Zagreb. 1982 (kroatisch). 1987 (deutsch)

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.