Gracchus - Murder Party

Gut gestreut

Gracchus: „Murder Party“ (Eigenvertrieb)

Bereits die EPs MCMLXXX und Cluttered and Crowded ließen gehörig aufhorchen. Mit ihrem ersten Langspieler Murder Party gelingt es dem im schweizerischen Zug gemeldeten Quartett um Bernhard Schnellmann auf Anhieb, sämtliche Vorschusslorbeeren mehr als nur zu rechtfertigen. Denn seine Auffassung von modern aufbereitetem (Alternative-) Metal samt behutsam integrierter Vintage-Rock-Prog-Wurzeln überzeugt mit Rasanz und Prägnanz, ohne dabei zu sehr jener Stromlinienform zu verfallen, die Gracchus eventuell zu einer austauschbaren „Nummer sicher“ degradiert haben könnte.

Nein, hierfür sind sich Bernhard Schnellmann, Marcel „Mäsi“ Bütikofer, Allan Murphy sowie der aus New Jersey zugeschaltete Gitarrist Jeff Elrose eindeutig zu schade. Lieber beschreiten sie beherzt ihre eigenen Wege, – die zu Ergebnissen führen, mit denen sich der Nimbus, einer der größten Hoffnung im internationalen Metal-Biz darzustellen, ausgezeichnet pflegen lässt.

Allein schon die Mischung stimmt: Messerscharfes Riffing sowie eine amtlich druckvolle Produktion trifft auf kompositorische Finten und Finessen, bei Bedarf (Whispers) wird auch schon mal der Fuß vom Gas genommen. Das klingt formal zwar nicht sonderlich originell, in seiner Ausführung jedoch unbedingt zwingend. Insbesondere die interne Dramaturgie der Songs von Murder Party fesselt, da doch stets viel mehr geschieht, als ihr eigentliches Rüstwerk vorgeblich preiszugeben gewillt ist.

Doch Gracchus belieben es, dem eigenen Anspruch geschuldete Barrieren gar nicht erst entstehen zu lassen. Überfrachtung und Selbstzweck scheinen den US-Helveten fremd. So klingt Murder Party trotz seiner dezent eingestreuten Widerhaken stets flüssig, ohne in die ewigen Jagdgründe der Austauschbarkeit zu diffundieren. Die Saat für den ganz großen Wurf – der vermutlich mit dem nächsten Album gelingt) – ist jedenfalls ausgesprochen großzügig gestreut.

Sewn Together:
youtube.com/watch?v=XHzvX5131so

Lying Tongue:
youtube.com/watch?v=6BITp_h8fO8

05.11. Hamm (Pirates)
06.11. Hannover (Rocker)
07.11. Hamburg (Pooca Bar)
08.11. Berlin (Cassiopeia)
09.11. Weißwasser (Telux Hafenstube)
14.11. Nürnberg (Der Cult)

gracchus.net
facebook.com/gracchusband

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