Amusio Assessment Center (18)

Hug: Bedeutungslosigkeit

Swans: „Leaving Meaning“ (Mute/Rough Trade)

Swans – Leaving Meaning (Mute/Rough Trade)
Über allem thront Michael Gira. Eine Ikone zum Küssen. Nur – so recht weiß niemand warum. Das auf ungewisse Spitzen getriebene Suspensorium namens „Leaving Meaning“ lässt erneut ratlos zurück. Alles schon gehört, aber – nicht so! Das Schamanentum überlassen wir also geflissentlich den Post-Post-Rockern. Derweil sich die Schwäne anmaßen, den Überblick zu wahren. Unaufdringliche Einsicht, Habitus des – auch unter widrigsten Umständen – längst Erkannten oder wahlweise auch Erkanntem. Amen.

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Kreidler; „Flood“ (Bureau B)

Kreidler – Flood (Bureau B/Indigo)
Was Kreidler so unvergleichlich macht?! Es ist die Melange aus fein getaktetem Intellekt und klammheimlicher Freude am Unterlaufen von gewerblich stichhaltigen Strukturen. Anders formuliert: Wer nicht nach den ersten Takten des Openers „Euridike“ in Trance gerät, möge sein Leben verfehlt haben. Genuss pur, auch ohne des Studiums der Theaterwissenschaft. Hauptsache, die Dramaturgie stimmt, wie auf „Flood“. Selbst Electro-Nerds gebührt das Glück.

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Halma: „The Ground“(Kapitän Platte/Cargo)

Halma – The Ground (Kapitän Platte/Cargo)
Im Niemandsland zwischen Kreidler, Radare und Bohren tummeln sich Halma. Und aus Schacht ward Schicht. Einengungen sind eingepreist, das Leben ist kein laissez-faire. Doch: Welches Leben wird hier verhandelt? Ein gewesenes? Ein vermutetes? Im Hinblick auf bisherige Veröffentlichungen von Halma (die sich mit Fug und Recht auch „Schach“ hätten benennen können), wirkt „The Ground“ auch fern von Interpunktion. Und wirkt – wie ein Blick auf Braun- oder Steinkohle im Vernehmen des Vergangenen. Kunst!

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The Düsseldorf Düsterboys: „Nenn mich Musik“(Staatsakt/H’ART)

The Düsseldorf Düsterboys – Nenn mich Musik (Staatsakt/H’ART)
Jetzt hatten wir schon gedacht, mit Die Kerzen (oder auch der üblen Kapelle Petra) alles erlebt zu haben, was uns Karel Gott hinterließ. Doch nein, die vorgeblich einander herzhaft Begehrenden aus der „verbotenen Stadt“ legen noch einen drauf. Das klingt nach Abstiegskampf. Von pre-juveniler Reife zeugt der Hang zum balladesken Unsinn, von Unschuld das mitschwingende Achselzucken. Befreit von Muskulatur, doch „verdammt nah“ am Leben. Selbst schuld, wenn Herbert Grönemeyer anruft. Bleibt voll verspielt, unterm Fernsehturm. „Alkoholgedanken“. Wunder an der Bar.

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OTTO – Over The Top Orchestra (Bureau B/Indigo)
„Hast du schon wieder LSD genommen“, so der teils fragende, teils feststellende Kommentar einer lieben Freundin, so sie OTTO zur Einkehr vernahm. Zu bescheiden gilt, dass keinerlei Drogen im Endspiel involviert waren. Der Flow aus ollen Kamellen, fernab des üblichen Vintage-Quietsch, umfasst das Herz seliger Zeitvergessenheit – auch ohne. OTTO sollte ad hoc zum Weltkulturerbe erklärt werden.

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The Shaking Sensations: „How Are We To Fight The Blight?“ (Pelagic Records/Cargo)

The Shaking Sensations – How Are We To Fight The Blight? (Pelagic Records/Cargo)
Postrock. Der melodische. Zig Tausendmal vernommen, immer wieder gern genommen. Die Antwort auf die im Albumtitel gestellte Frage bleibt offen. Auch die Shaking Sensations wissen, wie sich Orgasmen anfühlen. Nun, das multi-orgasmische Ideal wird verweigert. TSS ergehen sich in Ahnungen. Und bleiben ihrem Namen dementsprechend mehr als nur – treu.

facebook.com/theshakingsensations

 

PH – Osiris Hayden (Svart Records/Cargo)
Lauschig verführend ins abseitige Jenseits führend, meint Lauri Kivelä Psychedelia auch ohne LSD ins Geschäft zu bugsieren. Neu ist das nicht. In indifferenten Zeiten, in denen Rihanna als „innovativ“ gelten, tut ein Album wie „Osiris Hayden“ einfach gut. Einfach, weil nicht überfrachtet. Gut, weil im Sog aufgefasst. So die Bauchmuskulatur Formen des Gehirns aufnimmt … könnte dies an „Osiris Hayden“ liegen.

facebook.com/mrpeterhayden

 

Haystack – The Sacrifice (The Dogma Repetory Institute/Three Man Recordings/Sound Pollution)
So jetzt – zum Abschluss mal voll auf die Maultrommel. Einfach so. Ihr wisst schon … Haarwurzeln im Gaumen?! Tröstet euch mit – dem nächsten Riff (to kill)! Fickeln als Vermutung, Drang als Selbstverständlichkeit.

facebook.com/Haystacktrio

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