Rund um die Sinfonie Es-Dur

E.T.A. Hoffmanns Beitrag zur Orchestermusik

Da die Manen W.A. Mozarts ohnehin im literarischen Werk des Königsbergers Spuk treiben, ist es nicht verwunderlich, dass der in vielerlei Künsten versierte E.T.A. Hoffmann, der sich den Beinamen Amadeus gab, dem Bewunderten – bei aller Arbeit an Opern und Kirchenliturgischem – auch ein Denkmal in symphonischer Musik setzte.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Bewies augenzwinkernden Humor auch, wenn es um die eigene Person ging: Hoffmann karikierte sich selbst in dieser Zeichnung (Bamberg, D p.d.)

Es handelt sich bei der Sinfonie in Es-Dur, die zwischen 1805 und 1806 anzusetzen ist, darüber hinaus um eine ganz konkrete Allusion auf den 1788 entstandenen symphonischen Wurf des Verehrten in derselben Tonart, im Köchel-Verzeichnis unter der Nummer 543 firmierend.

E.T.A. Hoffmanns Figuren Rat Krespel und Antonia setzte Gustave Doré mit dieser Illustration ein weiteres bleibendes Denkmal (Le Violiniste inspiré, vor 1883, F p.d.).

In dieser Sinfonie zieht E.T.A. Hoffmann (1776 – 1822) im Sinne einer Verbeugung vor der Wiener Klassik alle Register: Wie bei Mozart steht das anfängliche Allegro im Walzertakt und zeichnet sich durch kontrapunktische Optionen aus. Das dazu subdominantisch in As-Dur stehende Andante führt demgegenüber subtil die Möglichkeiten des vertikalen Parameters vor Ohren. Im Menuett greift der Komponist durchaus in historisierender Absicht die Moll-Parallele zur Haupttonart auf und setzt kanonische Satztechnik ein. Energischer Vortrieb und gleichzeitig raffiniert ausgeführter Kontrapunkt vereinen sich im Allegro molto des Finalsatzes.

Hier erklingt auch Bühnenmusik … vom Romancier des Spukhaften: das E.T.A.-Hoffmann-Theater in Bamberg (GertGreer, 2008, p.d.).

Bekanntlich spielt in der bizarren Prosa des Schriftsteller-Juristen mit längeren Aufenthalten in Polen, in Berlin und Bamberg die Musik als Thema nahezu die erste Geige. Der Kapellmeister Kreisler wird nicht ohne Grund für eine ganze Generation zum Inbegriff des besessenen romantischen Künstlers – Schumann porträtierte ihn 1838 in seinem bedeutenden Klavierzyklus Kreisleriana. Andere Werke dieses unbestrittenen Meisters des angedeuteten Unheimlichen für größere rein instrumentale Besetzungen führen heute gewissermaßen ein Schattendasein, auch wenn sie gelegentlich in den Konzertprogrammen auftauchen, die Kirchen-Ouvertüre in d-Moll von 1801 und einige Bühnenmusiken, darunter Das Kreuz an der Ostsee zu einem Schauspiel von Zacharias Werner oder die Ouvertüren zu Hoffmanns eigenen Opern Undine und Aurora.

Literatur u.a.:
Arnold Werner-Jensen: Reclams Konzertführer Orchestermusik. 17. Auflage. Stuttgart 2001.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.