Reminder: SubKultur - Hannover - 30.11.19

Rabia Sorda, System Noire, Reichsfeind, Eggvn

System Noire (facebook.com/SystemNoire)

Bevor es anschließend bis an den Rand der Nacht bei der Party New Dark Nation zur Sache geht, geben sich gleich vier der aktuell erregendsten Acts des elektronisch fundierten Dark Wave die Klinke (und Klinkenstecker) in die Hand. Und formieren so eines der appetitlichsten Line-ups des diesjährigen Spätherbstes. Von Fachleuten für Kenner. Und umgekehrt. Da bleiben allenfalls die Augen trocken. Und die Tanzbeine hellwach. Will sagen: Höllisch aufmerksam.

Dabei werden vermutlich diejenigen den Anfang machen, welche die längste Anreise hinter sich gebracht haben. Und somit sogleich auch das vermutlich schwerste Geschütz des Abends auffahren. Denn IV und V, die (Widder-) Maskenträger aus Mexiko Stadt sind angetreten, um The New Industrial Wave per Tsunami auszulösen. Und wer etwa auf dem letztjährigen WGT bei ihrer Europa-Premiere dabei war, wird es bestätigen: Eggvn klingen äußerst brutal, nichtsdestoweniger versiert und dennoch im Kern catchy bis gar (nun ja) melodisch. Zumindest wenn man ihrem Material aufgeschlossen entgegentritt. Eine erste Konfrontation vorab – so etwa anhand ihres Debütalbums Solve Et Coagula – sei in diesem Sinne ans Herz gelegt. Auf dass es nachher nicht zu Rhythmusstörungen des selbigen kommt, – wenn Eggvn erst einmal von der Kette gelassen werden.

Eggvn (Stephan Wolf)

Nicht weniger imperativ attraktiv, wenn auch um einige Grade gediegener dürfte es bei Reichsfeind zugehen. Dabei weckt der Name, den sich Mastermind Timo Revna aus Frankfurt am Main für sein Projekt angelacht hat, vielleicht sogar tendenziell falsche Erwartungen. Denn mit Neuer Deutscher Härte, das sei an dieser Stelle einmal fix klargestellt, haben seine durch und durch elektronisch fundierten Entwürfe nichts zu schaffen. Dann schon eher mit dem unverbrüchlich reizvollen Erbe des dunkel getünchten Wave-Pop der alten Schule, den Timo Revna (von Tom Schubert an den Tasten unterstützt) einen elegant zeitgenössischen Touch verleiht.

Bis dahin sollte dann auch sein zweites Album (Chasm Walk) das Licht der Welt erblickt haben. Ein Album, das in weiten Szenekreisen schon artig herbeigesehnt wird. Und dies allein schon aufgrund des erfreulichen Umstands, dass bereits die Debüt-Scheibe (Living In Space) schönste Hoffnungen zu schüren verstand. Wenn man so will wird in Hannover zur CD-Release Show geblasen (wäre da nicht der Gig zu Freiberg After Midnight eine Woche zuvor). Dabei zu sein ist also noch viel mehr als alles.

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