The Murder Capital, Köln, Arttheater, 14. November 2019

Performanz der Stecknadel

The Murder Capital, Köln (Yvonne Wolf)

Mit einer von der auf dem Debütalbum When I Have Fears gravierend abweichenden Dramaturgie der Ereignisse untermauern The Murder Capital aus Dublin ihren Anspruch, nicht in die entweder betont schlicht gehaltene Larmoyanz oder dem elektronisch muskelbepackt Brachialen artverwandter Newcomer-Acts des so genannten Postpunk-Genre zu verfallen. Dem Quintett genügt zu Köln eine Dreiviertelstunde, um einen Unterschied zu machen, der nachwirkt. Und – hoffentlich – weitere Großtaten zeitigen wird.

Die Band wirkt nicht nur ernst. Nein, sie ist aufs Äußerste konzentriert. Um ihren durchdachten Songs vollkommen detailliert gerecht zu werden. Die Blicke richten sich, so und nicht anders soll es sein, auf Sänger James McGovern. Da es ihm gelingt, ad hoc intime Authentizität zu streuen, ließe sich jegliche aufs Parkett des Auditoriums fallende Stecknadel deutlich vernehmen. Der Einstieg über Slowdance I respektive II gebietet ungestörte Aufmerksamkeit. Derweil jeder Ton sitzt (und die PA ein wenig überfordert klingt).

Erst nach rund zwanzig Minuten lösen The Murder Capital die Bremse aus Würde – und laden anhand von Love, Love, Love zum betretenen Schunkeln ein. Und was anfänglich eher an Madrugada denn an Interpol erinnert, wandelt und bündelt sich fortan zu einem rigorosen Sog, der im abschließenden Croudsurfing des Herrn McGovern kulminiert.

The Murder Capital statuieren Unterschiede, schüren Gemeinsamkeiten, dulden keine Ausflüchte. Mag das therapeutische Element an diesem Abend auch zum flüchtigen Konsens geraten: Kaum auszudenken, wo diese Band stehen wird, wenn ihr Repertoire (und nicht allein ihre Präsenz) zum vollumfänglich abendfüllenden Repertoire gerät.

Green & Blue:
youtube.com/watch?v=ddBjpD5kHVY

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