The Twilight Sad im Club Volta, Köln

Einwandfreie Zerrissenheit

James Graham, Johnny Docherty – The Twilight Sad, Köln (Yvonne Wolf)

Wer sich im Vorfeld des Konzerts von The Twilight Sad im rechtsrheinisch gelegenen Club Volta umhört (und sich dabei nicht im Publikum des direkt nebenan stattfindenden Events der Stefanie Heinzmann verläuft), stellt fest, dass nicht wenige der Anwesenden hier sind, weil sie die schottische Quintett zuletzt als Support von The Cure erlebten. Und diese Erstbegegnung nachhaltig beeindrucken konnte. Die Messlatten liegen im Vergleich zu früheren Touren also recht hoch. Doch dieser Umstand beeindruckt die Akteure des Abends kaum. Und so erweist sich die Band aus der Nähe von Glasgow als überaus gewappnet – gegenüber den an sie herangetragenen Erwartungshaltungen. Und als ebenbürtig im Hinblick auf den ihr mittlerweile vorauseilenden Ruf.

Die Wahl des Support-Acts – Chris Bainbridge & Mikey Reid alias Man Of Moon aus Edinburgh – erweist sich als goldrichtig: Die schnörkellos rauen, vordergründig simpel gestrickten Songs des Duos finden auf Anhieb – und über sämtliche Reihen der nahezu ausverkauften Venue hinweg – Gefallen. Sie dürften fortan unter einer verstärkten Beobachtung stehen. Dass für 2020 angekündigte Debütalbum hätte sich bereits am heutigen Abend sicherlich gut verkauft.

Pünktlich starten The Twilight Sad durch, – mit der heftig einschlagenden Trias 10 Good Reasons For Modern Drugs, Shooting Dennis Hopper Shooting und Vtr vom aktuellen Album It Won/T Be Like This All The Time. Dabei richten sich alle Blicke auf Frontmann James Graham. Und das weiß er nur allzu gut. Während sich seine Kollegen also auf eine einwandfreie Verrichtung ihrer Arbeit konzentrieren, lässt er kaum eine Gelegenheit aus, um den oftmals von innerer Zerrissenheit kündenden Texten die entsprechende Gestik angedeihen zu lassen. Würde man nicht erahnen, dass er hier (s)eine Show abzieht, man müsste sich ernsthafte Sorgen um ihn machen.

James Graham, Johnny Docherty – The Twilight Sad, Köln (Yvonne Wolf)

Leider leidet speziell das erste Drittel des Konzerts an dem – bis zum Ende hin nicht ganz gelösten – Problem, wie die PA mit seiner Stimme umzugehen hat. Leise Gesangspassagen werden von der Wall Of Sound verschluckt, gibt sich James Graham exaltiert laut, klingelt es in den Ohren oder zerrt an den Nerven. Doch handelt es sich hierbei um das einzige (und durchaus verzeihliche) Manko.

Vielmehr wird vor allem die das Konzert beschließende Verfeuerung der bis dato bewährtesten Songs im Repertoire (Cold Days, Wrong Car, Darken The Memory) in Erinnerung bleiben. So auch der an vorletzter Stelle eingeflochtene Song des 2018 verstorbenen Freundes Scott Hutchinson (Frightened Rabbit): Keep Yourself Warm. Und ob, – offenbar allen Anwesenden wird es nun aber mal so richtig warm uns Herz. Nach diesem fulminanten Finale erübrigt sich eine Zugabe. Wollen wir lieber hoffen, dass die nächste Tour nicht allzu lange auf sich warten lässt. Eine Tour, die dann aller Voraussicht nach in (noch) größeren Hallen stattzufinden hat.

Ride The Waves (Man Of Moon):
youtube.com/watch?v=lGIjoD7yj1A

Rats (The Twilight Sad):
youtube.com/watch?v=CpmFMHekBG4

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