Deep Schrott - The Dark Side Of Deep Schrott Vol. 3: Drones & Spirals

Verlockende Tiefen

Deep Schrott: „The Dark Side Of Deep Schrott Vol. 3: Drones & Spirals“ (Poise)

Das in Köln beheimatete „einzige Bass-Saxophon-Quartett des Universums“ bricht auf der dritten Folge seiner Werkreihe The Dark Side Of Deep Schrott (Poise) mit dem Konzept seiner beiden Vorläufer. Widmeten sich Dirk Raulf, Andreas Kaling, Jan Klare und Wollie Kaiser zuvor vornehmlich der Adaption (von AC/DC, Awolnation oder Albert Ayler bis Black Sabbath, Tool, Hanns Eisler und Franz Schubert), gönnen sie sich nun die schiere Freiheit der eigenen Komposition – im Rahmen ihrer ohnehin originären Klanggestaltung.

Auf der nun vorliegenden Doppel-CD mit annähernd 90 Minuten Spielzeit bildet allein eine Bearbeitung des Saturn aus der Planeten-Suite von Gustav Holst (für die sich in erster Linie Jan Klare verantwortlich zeichnet) die Ausnahme von der untereinander neu verfassten Regel. Wiewohl der Begriff des Reglements (samt seiner restriktiven Sturheit) dem künstlerischen Impetus der notorischen Tieftöner kaum gerecht wird.

So erweisen sich die Drones & Spirals als ein vielleicht sogar überfälliger, zuvörderst jedoch als ein ultimativer Nachweis der Tragfähigkeit des sowohl klanglichen als auch kompositorischen Vermögens von Deep Schrott. Indem die zuvor stets höchst amüsante Inbezugsetzung der Arrangements mit ihren mehr oder weniger geläufigen Ausgangsmaterialien nunmehr entfällt, lädt das Quartett seine Hörer nun erst Recht auf eine Reise ins Ungewisse ein, in deren Verlauf es mehr zu entdecken gilt, als das Etikett der „neuen Einfachheit“ nahelegt.

Insbesondere verblüfft und begeistert die jederzeit im besten Sinne spielerisch anmutende Vitalität, mit der hier quasi jedem Ton seine offenbar natürliche Relevanz gewährt wird. So lassen die knapp eine Viertelstunde in Anspruch nehmenden Drones des Openers Black Lore sofort auf die fröhliche Jagd nach sämtlichen Obertönen gehen, die sich im heimischen Klangraum auszubreiten scheinen. Anschließend gelingt mit dem Trauermarsch Epitaph For Stanko (dem polnischen Trompeter Tomasz Stanko gewidmet) gar eine – wenn auch lediglich ephemere – Versöhnung mit der (eigenen) Sterblichkeit.

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