no-man - Love You To Bits

Unerhört anders als erwartet

no-man: „Love You To Bits“ (Caroline International/Universal)

Vom Papier her stellt sich zunächst eine Frage: Würden Steven Wilson – samt seines akuten Hangs zu Progpop mit Achtziger-Einschlag – und Tim Bowness – mit seinen in den letzten Jahren fleißig veröffentlichten, reumütigen Moritaten – als no-man (nach elf Jahren erstmals wiedervereint) ihrem jeweiligem Faible entsprechende Schnittmengen bilden? Die Antwort: Nein, tun sie nicht. Sondern bewegen sich mit Love You To Bits (Caroline International/Universal) auf einem für beide Protagonisten geradezu neuartigen Terrain.

Bereits die feingliedrig beschichtete Discokugel auf dem Cover sät erste Verdachtsmomente. Und kaum setzt bei Love You To Bits (Bit 1) ein stampfender Beat ein, bestätigt sich diese Vorahnung. Giorgio Moroder lässt grüßen. Und selbst das unverkennbar sanfte Timbre des Herrn Bowness fügt sich nahtlos ein. Diese Überraschung wäre also schon mal geglückt.

Doch auch im weiteren Verlauf des in zwei Abteilungen (à fünf durchnummerierten Teiltracks: Love You To Bits 1-5 / Love You To Pieces 1-5) aufgegliederten Albums gelangt der geneigte Hörer kaum aus dem Zustand des Staunens hinaus. Sägende Gitarrensoli, retardierend-repetitive Passagen (wie geschaffen für den jungen John Travolta in uns allen), sphärische Verzierungen, Fender Rhodes, euphorisierendes Hakenschlagen: Man muss schon ein sehr guter Kenner von Steven Wilson sein, um seine Trademarks auf Love You To Bits zu identifizieren.

Obwohl das gesamte Konzept durchgängig von einem einzigen musikalisch sehr überschaubar gehaltenen Song getragen wird, entsteht nicht der Eindruck, es mit einem Remix- Album zu tun zu haben. Hierfür ist – neben der Fülle an Klangfarben – vor allem die Unberechenbarkeit verantwortlich, mit der no-man mit so ziemlich all dem brechen, womit man sie einst assoziieren konnte. Wenngleich sich auch eine kaum greifbare Schwere über das Geschehen legt, die noch am ehesten seine Urheber verrät. Und unerhörtes Suchtpotenzial birgt.

Love You To Bits (Album Montage):
youtube.com/watch?v=vAvQ-ckcNS4


no-man.co.uk
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