Kokomo - Totem Youth

Prall gefüllte Nissen

Kokomo: „Totem Youth“ (I.Corrupt Records)

2008 gegründet, vier Alben vorgelegt. Und jetzt anhand von Totem Youth (I.Corrupt Records/Bandcamp) das fünfte seiner Art. Wirklich seiner Art? Handelt es sich denn nicht um Postrock der bewährten (und seit geraumer Zeit immer wieder für überlebt, wenn nicht gar tot erklärten) Laut/Leise-Dynamiken sowie des schwelgerischen Pathos? Sollte man meinen. Und fälschlicherweise urteilen, so das Duisburger Quintett über einen Kamm geschoren wird, ohne die dort verbleibenden Nissen zu bemerken.

„Sogenannte Nissen, also leere Eihüllen, die keine entwicklungsfähigen Eier mehr enthalten, schimmern weißlich“, belehrt www.kindergesundheit.info.de. Doch Kokomo schimmern weiterhin verführerisch edeldunkel. Und neigen auf Totem Youth sogar dazu, das vermeintliche Korsett ihres gewählten Genres stolz erstrahlen zu lassen. Dabei erweist es sich als nahezu unbestimmbar, woran es liegt, dass ihr Dotter noch ordentlich Proteine produziert. Zumindest wenn es darum geht, sachgerecht einzukreisen, was Kokomo dazu befähigt, sich abzuheben. Denn „im Prinzip“ weichen sie kaum von den einschlägig betretenen Pfaden ab.

Doch warum sollte man es sich schwerer machen als unbedingt nötig? Genügt es denn nicht, eine besondere Empfehlung von dem schlichten Umstand abzuleiten, dass Kokomo über ein ausgeprägt feines Händchen für all das verfügen, was den Postrock besagter Gattung immer wieder aufs Neue so attraktiv macht? Man steige über den prachtvoll zermürbenden Opener Sterben am Fluss ein – und lebt einfach noch eine Weile weiter. Ab und an beglückt von Glückstreffern der Marke Totem Youth. Gutes kann so einfach sein. Und sich noch leichter erklären lassen.

Sterben am Fluss:
youtube.com/watch?v=nOz7Nq1Hltc

Record Release-Concert (mit Orange Swan):
20.12. Duisburg (Djäzz)

facebook.com/kokomoband

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