The Düsseldorf Düsterboys, Köln, Bumann und Sohn, 21. November 2019

Haltegriffe & Weckrufe

The Düsseldorf Düsterboys in Köln (Yvonne Wolf)

In der ehemaligen – standesgemäß ausverkauften – Autoschrauberei zu Ehrenfeld weht die sich betont alternativ und jung gerierende Adventsstimmung des der Location zugehörigen Outdoor-Weihnachtsmarkts hinein in die gute Stube. Wenn die – wenn man so will – „International Music-Erstinkarnation“ The Düsseldorf Düsterboys (mit ihrem auch äußerlich betörend schön gestalten Album Nenn mich Musik) ihre Aufwartung macht. In aller Bescheidenheit. Unprätentiös, unaufgeregt, unaufdringlich. Mit einer das Gros der Anwesenden offenbar besinnlich stimmenden Warmherzigkeit versehen. Also eher ein Konzert zur Jahreszeit. Als ein „Konzert des Jahres“.

Denn die sich mit Fabian Neubauer an den Tasten sowie Edis Ludwig am Schlagwerk verstärkenden Protagonisten Peter Rubel und Pedro Goncalves Crescenti erwecken kaum den Eindruck, an diesem Abend über sich selbst hinauswachsen zu wollen. Indem sie sich selbst genügen, die vorgenommenen Korrekturen am Songmaterial allenfalls lakonisch kommentieren und innere Ruhe generalisiert walten lassen, erfüllen sich nahezu sämtliche Erwartungen, welche in die vielfach als beste deutschsprachige Band des Jahres gehandelte Combo gesetzt werden.

Der Düsseldorf Düsterboy Peter Rubel in Köln (Yvonne Wolf)

Doch zunächst setzt Stefanie Schrank (von Locas In Love) mit dem eher unterkühlt nach Wärme strebendem Synthpop ihres Debütalbums Unter der Haut eine überhitzte Fabrik einen Kontrapunkt vorab. So sie vielleicht auch am Gusto des ein oder anderen Konzertbesuchers vorbei musiziert, hinterlässt die Kölnerin Spuren im Gemüt. Und sät jene Andächtigkeit, die im Auditorium auch weiterhin vorherrscht.

Nonchalant und dezent schnodderig nehmen The Düsseldorf Düsterboys anschließend ihre Arbeit auf. Und lassen zur Sicherheit sofort mal ihre vermeintlich beliebtesten Songs, ihre Hits vom Stapel: (Oh) Mama, Kaffee auf der Küche und so. Die Textsicherheit des Publikums erweist sich aber auch im weiteren Verlauf des Geschehens als einwandfrei.

Der Düsseldorf Düsterboy Pedro G. Crescenti in Köln (Yvonne Wolf)

Da schadet es auch nichts, dass TDD das Gebot zur Entschleunigung beherzigen, wenn auch bis an den Rand einer vorübergehend lähmenden Stasis. Dann wird es wieder an der Zeit, musikalische Haltegriffe (um nicht zu sagen Weckrufe) wie Teneriffa oder Alkoholgedanken in das Schneckentempo der Geschehnisse einzustreuen. So schleppt sich, was gefällt. Und wäre im Anschluss noch leise der Schnee vom Abendhimmel gerieselt, hätte man das Konzert nur zu gerne als Auslöser vermutet.

Kaffee aus der Küche:
youtube.com/watch?v=u_dK0slfijA

23.11. Wuppertal (Die Börse)
27.11. Wetzlar (Franzis)
28.11. Wiesbaden (Schlachthof)
im Januar geht’s weiter

facebook.com/duesseldorfduesterboys

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