We Lost The Sea - Triumph & Disaster

Kurz nach 12

We Lost The Sea: „Triumph & Disaster“ (Bird’s Robe Records/dunk!records)

Wenn das vierte Album der australischen Postrocker erstaunlicherweise mit dem gesungenen Lied Mother’s Hymn endet, erschließt sich endlich auch das narrative Fundament von Triumph & Disaster (Bird’s Robe Records/dunk!records): Es ist mal wieder aller Tage letzter Abend, eine Mutter wendet sich an ihr Kind, dem keine Zukunft mehr vergönnt ist. So hier auch die zuvor gestreute Endzeitstimmung in versöhnlichen Kitsch (oder fiesen Zynismus) abdriftet: Die vorangegangene knappe Stunde hat es in sich, auch wenn sich die Erde anschließend unbeeindruckt weiterdreht.

Da wäre zunächst der sich über 15 Minuten erstreckende Opener Towers, der schnaubend aufschichtet, was anschließend in zumeist kleinteiliger Manier wieder abgetragen wird. An die Arbeit geht es sogleich mit dem sich nach und nach energisch selbst zersetzenden Gemütsantreiber A Beautiful Collapse, der nebenbei schönste Erinnerungen an die brasilianischen Herod zu neuem Leben erweckt.

Mit Dust erfolgt der von Trompete atmosphärisch verdichtete Blick auf die mitverschuldete Einöde eines fundamental gerodeten Planeten. Wenn sich hier noch etwas regt, dann Bedauern. Aus lauter Ergriffenheit. Oder aus einer akuten Betroffenheit a posteriori, angesichts der Waldbrände vor der Haustür zu Sydney.

Parting Ways zieht dann die emotionalen Segel straff, wandelt sich hier doch die Generalbetrachtung ins persönliche Erleben. Wie das Quintett das Wesen einer unweigerlichen Trennung nachvollzieht, lässt schwer schlucken. Danach gewährt Distant Shores – quasi als Interlude – Momente der Entspannung, geschmeidig slidet die Western-Atmo.

Genug des Aufatmens, The Last Sun lässt (vorläufig) abschließend keinen Zweifel an dem dringlichen Anliegen, mit dem We Lost The Sea ihre Arrangements – fast schon wie notgedrungen – in eine Nachvollziehbarkeit überführen, die verträumter Weltflucht eine Abfuhr erteilt. So schlicht und schön Triumph & Disaster auch zu klingen vermag.

Towers:
youtube.com/watch?v=1gd4_usFLKI

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