Cult Of Luna, Brutus, AA Williams - Köln, Bürgerhaus Stollwerck, 25.11.19

Noch mehr?! Selbst schuld!

Cult Of Luna, Köln (Yvonne Wolf)

Wie es gelingen kann, die zurzeit noch am ehesten zu respektierenden Spielarten des ollen Rock an einem einzigen Abend unter einen flammenden Hut zu bugsieren, wird in der Kölner Südstadt zur Selbstverständlichkeit. Dass einige der anfänglich noch frohgemut Anwesende – im ausverkauften Haus – im Laufe angesichts der sinnlichen Überfülle kollabieren, mag als ungeklärte Frage der Ehre gewertet werden. Dass die Mehrheit indes – trunken vor lauter Vergnügen – zurück in den Grimm des Spätherbstlichen zu taumeln hat, bleibt unter uns.

So kommt es, dass AA Williams, die aus dem „Nichts“ ans Zwielicht der Öffentlichkeit geratene Grenzgängerin (zwischen Laura Carbone oder Louise Lemón etwa) zur Zeit des Sandmännchens aufzuspielen hat. Macht ihr und ihren beiden Mitstreitern nichts aus, qualifiziert sie sich doch als kaum noch zu ignorierender Tipp für das kommende WGT oder artverwandte Großereignisse. So ihre Songs auch einen (noch) recht vorhersehbaren Verlauf nehmen, tut dieser Umstand deren durchdringenden Wirkung keinerlei Abbruch. Kühl gezockt, heiß geliebt.

AA Williams in Köln (Yvonne Wolf)

Und dann, nach einer in Rekordzeit absolvierten „Umbaupause“: Brutus! Kaum auszurechnen, womit uns das Leuvenser Trio um Stefanie Mannaerts (an Schlagwerk und Mikro) zukünftig in noch weiter gefasste Gefilde der Stimmungsschwankungen zu entführen gedenkt. Mit ihrem sich primär am genialen Zweitwerk Nest orientierenden Set wähnen sich die jederzeit bis zum Bersten gespannten Elastizitäten in Hochform. Auszuleiern undenkbar. Soeben aus den Staaten zurückgekehrt, weisen Brutus emotionale Heimat an. Werden verstanden, und entsprechend honoriert.

Man könnte schon jetzt befriedet heimwärts schweifen … wäre da nicht noch der Headliner! Nehmen wir den also auch noch mit. Spaß beiseite, – denn den verstehen Cult Of Luna vermutlich am besten, wenn sie ihm – als eng aneinander geschmiedetes Konsortium – live Freigang gewähren. Selbst dann, wenn ihnen nach wie vor anzumerken ist, dass die rockenden Posen (die sie freiwillig einnehmen) nicht so ganz ins Bild einer Band passen, die prinzipiell darauf scheißt, eine Party zu schmeißen.

Stefanie hat die Schnauze voll, Brutus in Köln (Yvonne Wolf)

So erlauben sich die Schweden vor allem in der zweiten Hälfte ihres Sets – wohl als hypnotisierend intendierte – Leerläufe, die dem Brachialen ihrer Potenz das ein oder andere Weihwasser abgraben. Allzu viel Schweiß hat nicht zu fließen. Was dieser aber doch verlässlich tut, wenn die Dramaturgie jegliche Zaghaftigkeit tilgt. Schon klar, Cult Of Luna fahren längst ihren eigenen Film.

Und wer Augen hat, der sehe! Insgesamt haftet dieser Show jedoch etwas zu Belehrendes an, die Sau wird trotz bester Voraussetzungen nicht aus dem Saal gejagt. Die unbedingte Frische, mit der AA Williams und Brutus den Laden in Wallung zuvor versetzten, verbitten sich Cult Of Luna. Mit einem gelerntem Kalkül, das spontan erschaudern lässt. Ziemlich einzigartig. Und großartig sowieso.

Cult Of Luna in Köln (Yvonne Wolf)

A Dawn To Fear, Cult Of Luna (Short Film):
youtube.com/watch?v=3jD2EvFhxnQ

Sugar Dragon, Brutus (Live in Gent):
youtube.com/watch?v=4frMgTrgd4Y

Cold, A.A.Williams:
youtube.com/watch?v=d2GV3EyeWUM

01.12. CH-Pratteln (Kontertfabrik Z7)
05.12. München (Technikum)

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