Meisterwerke polnischer Musik XLV

Einst am Krakauer Hof – heute noch hörbar

Von polnischen Komponisten, die zur Zeit der Renaissance in fürstlichen Diensten standen, sind mehrfach ausschließlich geistliche Werke überliefert, so unter anderem die lateinischen und polnischsprachigen Psalmen, die der calvinistisch orientierte Hofkomponist, Dichter und Drucker Cyprian Bazylik (ca. 1535 – 1600) für König Sigismund II. August und zuvor für den litauischen Großkanzler Mikołaj Radziwiłl zu Vilnius, genannt „der Schwarze“, geschrieben haben muss. Wegen seines einstigen Krakauer Doppelstudiums der Theologie und Musik erachtete Bazylik sein Dienstherr wohl als für den kirchlichen Gesang zuständigen Experten.

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2012 legte das Subtilior Ensemble mit dem Ars Nova Chor Cantilena diese Einspielung von Werken Cyprian Bazyliks vor (rateyourmusic).

Ähnlich verhielt es sich mit dem Werk des praktisch gleichaltrigen Simon Amorosius (ca. 1550 – nach 1604), der zum Mitglied der Hofkapelle König Sigismund III. ernannt wurde. Hohe satztechnische Kunst verrät das einzige von ihm überlieferte Opus, die Motette Cantabant sancti Canticum.

Sie fand sich in einer von Wicenty Lilius in Krakau 1604 publizierten Sammlung von Melodiae sacrae. Im Falle beider Kirchenmusiker, die sich irgendwann einmal, möglicherweise um 1580, am Hof über den Weg gelaufen sein müssen und sich vielleicht auch näher gekannt haben, ohne per se Konkurrenten gewesen zu sein, besteht die Hoffnung auf weitere Entdeckungen …

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.