Farben im Werk eines großen osteuropäischen Symphonikers

Tanzstopps am Fluss

Impressionistische Farben kennt die Orchestermusik des lange in Bratislava tätigen Komponisten Alexander Moyzes, einst Prager Schüler von Vítězslav Novák, zwar, doch lassen sich seine deutlich von der slowakischen Folklore bestimmten Tanzzyklen eher einer spätromantischen Phase zuweisen: Dissonanzen auf Taktschwerpunkten kommen selten vor, komplexere harmonische Durchgänge erscheinen kontrastierend vor allem in den Moll-Teilen. In einer „Suite“, Pohronie Dances (1950), die dem mittelslowakischen Fluss Hron gewidmet ist, überwiegen in den Tuttieinsätzen marschähnliche Melodien und Rhythmen, die, vom einschlägigen Schlagwerk akzentuiert, in den Vordergrund treten.

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Am Fluss Hron im Herzen der Slowakei: Er bildet die Inspiration zum Zyklus ‚Pohronie Dances‘ (1950) (Miroslav Blaho, 18.8.2006, CC-Liz).

Dabei klingen unter anderem pentatonische Sequenzen hinein, die ein Gegengewicht zur symphonischen Verarbeitung der meist launigen folkloristischen Allusionen bilden. Dies gilt insbesondere für die langsamen Einleitungen der Sätze wie zu Hayduks from Kolesne und The Little Bear from Rejdová aus dem teils vom solistischen Cymbalom bestimmten Zyklus Dances from Gemer. Dramatik zeichnet trotz der immer wieder prägnant eingesetzten Tanzmetren bereits frühere Werke wie die fünf Sätze von Down the River Váh aus, die 1935 komponiert 1945 einer Revision unterzogen wurde und vergleichbar Smetanas Tondichtung Meine Heimat die Landschaften und Städte an der Waag programmmusikalisch zu erfassen suchen. Der Zusammenfluss mit der Donau wird durch ebenso verspielt-lebensfrohe wie majestätische Klangbilder eingefangen. Zwei eigenständige Melodien ertönen gleichzeitig in einem kunstvoll verwobenen polyphonen Satz.

Zahlreiche slowakische Komponisten erhielten von ihm in Bratislava den „letzten Schliff“: Alexander Moyzes (1906 – 1984) (old hc sk, CC-Liz.)

Reiche Früchte trug vor allem die pädagogische Arbeit von Alexander Moyzes an der Musikakademie und am Konservatorium zu Bratislava. Seine eigene kompositorische Tätigkeit stand dahinter aber kaum zurück: Zwischen 1928 und 1983 legte der bedeutendste Tonschöpfer seiner Generation 12 Symphonien vor. Im weiteren Sinn zum Tanzrepertoire kann auch die Partita zu Ehren von Meister Paul von Leutschau (1969/70) gezählt werden. Solistiche Konzerte legte Moyzes nicht nur für das Cymbalom, sondern auch für Flöte und Violine mit Orchester vor. Demgegenüber ist der Anteil der namhaften Kammermusik, Vokalmusik und der Werke für Klavier allein zwar kleiner, aber in sich vielfältig, wofür das Bläserquintett op. 17 von 1933 ebenso bürgt wie die in erster Version drei Jahre zuvor entstandene Jazz-Sonate für zwei Klaviere.

Diskographie

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.