The Young Gods live im Luxor

Lust auf Sucht

Franz Treichler, The Young Gods (Stephan Wolf)

Darauf angesprochen, ob er sich noch an den ersten Kölner Auftritt vor rund dreißig Jahren – im einst dem Luxor direkt gegenüberliegenden Kult-Schuppen Rose Club – erinnern könne, lacht Sänger und Gitarrist Franz Treichler im Anschluss an ein fulminantes Konzert auf. Sichtlich erfreut ob der Tatsache, dass sich auch am heutigen Abend zahlreiche Besucher eingefunden haben, die inzwischen zwar auch gereift sind, sich aber dennoch nicht von bleibenden Jugenderinnerungen allzu willentlich distanzieren. Zumal jene Energie, die von den Schweizer Pionieren auch im Jahre 2019 ausgeht, kaum weniger effektiv ausfällt als in den frühen Schaffensphasen aus revolutionärem Sampling, Sturm und Drang.

Natürlich warten Franz Treichler, Cesare Pizzi und Bernard Trontin im Zugabenteil mit einigen Klassikern auf. Schließlich haben Signature-Sound-Songs wie L’Amourir nichts von ihrer brachialen Wirkkraft eingebüßt. Wer wollte schon freiwillig auf derlei Schmankerl verzichten? The Young Gods jedenfalls nicht, ungeachtet der musikalischen Entwicklung, die sie seit ihrem bahnbrechenden Debütalbum genommen haben.

So steht das Konzert zunächst ganz im Zeichen des aktuellen Meisterwerks – Data Mirage Tangram. Und es begeistert und verblüfft, wie es dem Trio gelingt, dessen zum Teil doch recht komplexen Strukturen vollends auszureizen, – ohne das vorgegebene Material bloß möglichst exakt zu reproduzieren. Selbst wer meint, die Magie von Data Mirage Tangram bereits zureichend durchdrungen zu haben, wird im Luxor eines besseren belehrt.

The Young Gods im Luxor, Köln (Stephan Wolf)

Und dies ganz gleich, ob man sich zum Trance-Tanzen ermutigt fühlt oder einfach auch nur die Augen schließt, um nach Möglichkeit keine Nuance zu überhören. Eine ausgezeichnet ausgesteuerte PA bietet so oder so beste Voraussetzungen. Nicht minder eine glänzend aufgelegte Band, deren offenbar blindes Verständnis untereinander keineswegs zum sterilen Abspulen des Programms verleitet.

So verwöhnen The Young Gods ihr Publikum vollumfänglich kompetent. Mit einer direkt in die Sucht leitenden Beseeltheit, die vor dreißig Jahren – in dieser Form – wohl noch nicht möglich war.

Figure sans nom:
youtube.com/watch?v=S7K1zYsxGCg

13.12. München (Ampere)

facebook.com/theyounggods

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