Nits - Knot

Ereignis zwischen Traum und Erinnerung

Nits: „Knot“ (Werf Records/Bertus)

Wenn nahezu provokant gelassen getaktete Schwingungen, zwischen Müßiggang und Beobachtungsschärfe oszillierend, anheimelnd labyrinthische Klangräume erschließen, kann es sich – als Auslöser – um Knot (Werf Records/Bertus) handeln, dem 24. Album der niederländischen Ausnahmeformation namens Nits. Als Kondensat – zunächst einmal – „frei“ gehaltenen Musizierens (Sessions) erweisen sich elf Songs formvollendet, so sehr sie mitunter auch danach zu trachten scheinen, die Liedform sprengen zu wollen. Doch handelt es sich bei diesem Eindruck um einen Trugschluss, den das Trio wohl freimütig billigt.

Und dies nicht zum ersten Mal in ihrer langen Karriere abseits der Konfektion. Auf Anhieb Griffiges (in der Art ihres einzig international veritablen „Hits“ – In The Dutch Mountains) will Henk Hofstede, Robert Jan Stips und Rob Kloet schon seit Jahrzehnten nicht mehr gelingen. Lieber schüren sie ein a prima vista gar abstrakt anmutendes Lodern, das die Funken der Erkenntnis allein im (Unter-)Bewusstsein des Hörers sprühen lässt. Die gedankliche Nähe zur Malerei und dem Erleben von gemeinhin bildender Kunst, die von den Nits ab und an auch verbal angedeutet wird, erschließt sich beim Vollzug.

Knot überzieht diesen Anspruch mit einer köstlichen Glasur, deren Konsistenz stets im Vagen verbleibt. Und es wagt, sich bei aller Skurrilität der quasi leise-malerisch beschriebenen Ereignisse in Sicherheit zu wähnen. Knot erinnert in seiner allenfalls sporadisch gebrochenen Wohligkeit (Dead Rat Ball) an eine im Halbschlaf vollzogene Zugreise im nahezu leeren Großraumabteil. Alles zieht vorbei, der Weg wird weder zum Ziel, noch zum Heilsbringer einer Ankunft.

Rob, Robert, Henk – Nits (Bertus)

Des Weiteren scheint stets ein Augenzwinkern, ein Hauch von Ironie, ein friedfertiger Schalk sämtliches Geschehen zu begleiten. Nennt es Humor. Doch bitte nicht beim Namen. Denn wenn die Nits eins nicht verdient haben, dann die Schublade. In die man sie stecken könnte, nähme man die B-Seite von Abbey Road zum Maßstab der formenden Passung. Was dann auch wieder ungerecht wäre. Hantieren die Nits doch wesentlich bedachter, sparsamer mit ihren Ideen als etwa die Fab Four jenseits ihres Zenits.

Dass Knot nichtsdestoweniger an die Exaltiertheit besagtem Meilensteins der Pop-Geschichte gemahnt, lässt tief (in die musikalische Sozialisation des Rezensenten) blicken, ohne schale Beigeschmäcker zu evozieren. Angenehm problematisch bleibt allein die perfekte Camouflage des Beiläufigen, die sich auf Knot erst beim Ausklang – (Un) Happy Hologram – Lücken erlaubt. Vielleicht erwirkt dieses Album auch nur eine ephemere Fehleinschätzung, die zu dechiffrieren bedeutet, Existenz – dann auch wieder angesichts der nackten Brillanz ihrer Mortalität – zu reklamieren. Dieser Verdacht eines bösen Erwachens spricht für die Authentizität eines Albums, die seinen Erzeugern besser zu Gesicht steht als jede performative Verformung des üblichen Ausdrucks.

Ob und inwiefern Knot derlei Exkurse rechtfertigt, sei dahingestellt. Es würde genügen, zu behaupten, es handele sich um ein Album, das aus der durchweg hochwertigen Diskographie der Nits herausragt.

The Garden Centre:
youtube.com/watch?v=P96BVJYFY6s

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