Envy, Köln, Gebäude 9, 16. Dezember 2019

Am Abend vor dem bösen Erwachen

Envy, Köln (Yvonne Wolf)

Wenig Screamo, etwas mehr San Remo – Tetsuya Fukagawa und die Seinen entlassen ihr Publikum (wohl nicht nur) an diesem Abend ratlos beschwingt. Anschließend bestätigt der Sänger die Vermutung, dass das gemeinhin Gefällige auch bei Envy Einzug genommen habe. Wohl einräumend, dass das aktuelle Album The Fallen Crimson dennoch kaum zum Millionen-Seller taugt. Und dass er und seine Band – Envy – trotz aller Gefälligkeit dazu in der Lage ist, Perfidie zu buchstabieren.

Man wolle auch nicht mehr unbedingt zum Brocken namens Insomniac Doze (2006) aufschließen, gibt der Sänger zu verstehen. Im Zuge eines Reifungsprozess sei man zu der Überzeugung gelangt, dass depressive Verstimmungen und Momente der Euphorie durchaus dazu in der Lage sind, sich in aller Freundschaft zu umarmen. Die Krux ist Vermächtnis: Im Nachgang steht Versöhnung im Weg.

Envy, Köln (Yvonne Wolf)

Und so vibrieren Envy zwischen energisch dräuenden Polen, ohne deren Dimensionierung beschreiben zu wollen. Überlassen wir das Geschäft lieber mal denjenigen, die es besser wissen. Wir vermuten für heute Abend lieber mal ein rettendes Ende jener Fahnenstange, an der wir – ohne Hoffnung auf Erlösung – noch geknüpft werden, so sich die aurikular multiplen Orgasmen – an einander reihend und reibend – nicht noch zu International-Hymen erwachsen.

Vielleicht kann man Envy ihre Friedfertigkeit nicht zum Vorwurf machen. So zweiundzwanzig Saiten der Lüge ohnehin keinen Vorschub leisten. Die Furcht, nur einem schönen Traum erlegen zu sein, sie schwingt mit – beim Verlassen dieses Konzerts.

A Step In The Morning Glow:
youtube.com/watch?v=aahn28pkLwk

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