Powder! Go Away - Lost Happiness

Unschuld & Enttäuschung

Powder! Go Away: „Lost Happiness“ (bandcamp)

Anders als auf dem doch arg verkopften und somit eher unzugänglichen Vorgänger Laika Still Wants To Go Home wetzt, schmiedet und gestaltet das fünfköpfige Postrock-Kollektiv Powder! Go Away aus der Nähe von Moskau auf Lost Happiness seine Schallwände endlich wieder flüssig fluffig scharf. Geerdetes Thema, sättigende Nachvollziehbarkeit. Wird diesmal eben nicht an kaum Nachvollziehbarem, an Vermutungen gerüttelt.

Sondern an Kindheitserinnerungen. Erinnerungen, die sich mit der Zeit verselbstständigen, ohne ihre Substanz dadurch in Abrede stellen zu können. Die mit ihnen verbundene Wehmut fassen Sergey, Evgeny, Pavel, Ilya und Valery in oftmals nach Überwältigung strebende Klänge, die sich letztlich aber als kühle Raison bewähren und bewahrheiten.

Die Enttäuschung angesichts eines nicht – wie erhofft – funktionierenden Weihnachtsgeschenks wird ebenso zum Gegenstand der musikalischen Erörterung wie die Erinnerung an privat als ruchlos abgegoltene Kellerpartys oder womöglich nur im Modus des Pubertierens imaginär vollzogene Reisen irgendwohin.

Das an Paul McCartney gemahnende Schreien (Oh Darling) in dem das Album entschlüsselnden Locomotive lässt indes tiefer blicken als es einer instrumental orientierten Band zusteht. Die Verzweiflung angesichts falscher Versprechungen – sie wird (verfrüht) ausgeblendet. Um sich anschließend wieder einer befriedenden Euphorie zuzuwenden, die sich ihrer verlogenen Natur nicht schämt. Ein plötzliche Übelkeit verursachendes Album. Weil es sich in den schönsten Lebenslügen suhlt. Und mit den Kollegen – von Mono bis „wasweißich“ – mithält, so der Kontakt zum infantilen Glücksmoment noch nicht gänzlich abgerissen ist.

facebook.com/powdergoaway

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