Marconi Union - Dead Air

Unter der Schaumkrone

Marconi Union: „Dead Air“ (Just Music/Bertus)

Bereits während der letzten Umläufe des vergangenen Jahres erschienen, setzt das zehnte Studioalbum der ehemaligen Plattenladenbetreiber aus Manchester – Dead Air (Just Music/Bertus) – zumindest die Maßstäbe für das Ambient-Album 2020. Dabei überzeugen Richard Talbot, Jamie Crossley und Duncan Meadows nicht nur mit einwandfreier Relaxans (unter vollkommenen Verzicht aufs rhythmisch Schlagende), sondern verstehen sich darüber hinaus auch auf merkliche Texturen, die latent darauf hinweisen, dass Wohlklang durchaus auch als Verschleierungstaktik zu verstehen sei.

Denn selbst wenn Marconi Union – vor allem seit dem 2011 entstandenen Weightless, dem „most relaxing song ever“ (The Telegraph) – als Experten für psychoakustische Anleitungen zur Tiefenentspannung respektiert werden, entziehen sie sich souverän des Verdachts, lediglich vage Effekte zu stimulieren. So auch auf Dead Air, – einem Album, das zwar zunächst wie ein warmes Schaumbad anmutet, bei genauerem Hinhören jedoch mehr als nur seichte Gewässer erahnen lässt, die sich unter den aneinander haftenden Bläschen verbergen. Nicht direkt bedrohlich, aber auch nicht gänzlich frei von Abgründen. Einer ungewissen Anspannung lässt sich somit kaum entgehen.

Den referenziellen Vergleich nicht scheuend, kommt die Idee einer Kollaboration von Stars Of The Lid mit Hammock in den Sinn, wenngleich das synthetische Element bei Marconi Union jederzeit dominiert. Und wenn der flauschige Sound-Teppich ab und an aufbricht, erfahren selbst Floydsche Echoes ihren fernen Widerhall. So wie sich emphatisch erfahrene Weite am optischen Horizont bricht, schotten die Briten ihre vermeintlich frei flottierenden Trigger nur unzulänglich gegenüber vorübergehenden Eintrübungen des Gemüts ab. Diese Ambivalenz macht diesen Ambient valent.

Dead Air:
youtube.com/watch?v=OusNqezkrTQ

facebook.com/marconiunionband

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!