Oona - Live Solo Vol. 2

Um Antworten nicht verlegen

Oona: „Live Solo Vol. 2“ (Poise)

Nachdem sich Oona Kastner im ersten Teil ihrer Live Solo-Werkreihe Raum 1 mit jeweils drei Songs von Leonard Cohen, Neil Young und Radiohead auseinandersetzte (und jüngst für das gemeinsam mit Dirk Raulf unter dem Projektnamen d.o.o.r. eingespielte Album Songs From A Darkness den Preis der Deutschen Schallplattenkritik erhielt) widmet sie sich nun – auf Live Solo Vol. 2 (Poise) – Nick Cave, Trent Reznor (NIN) und – nota bene – Laura Nyro.

Oona Kastner betont den reaktiven Charakter ihrer Aufgriffe, bezeichnet ihre Alternativversionen von erlesenen Liedern ausgewählter Künstler selbst als Antworten. „Ich liebe die Gedanken und die Poesie in diesen Songs so sehr, dass ich mich frage, warum das so mainstreammäßig verhandelt werden muss.“ Muss es doch gar nicht, wie sie selbst unter Beweis stellt. Indes wird schnell klar, wovon sie sich abgrenzt. Denn anstatt wie üblich schlicht reproduzierend zu covern, versieht Oona Kastner das von ihr verehrte Liedgut mit Sprengköpfen, die sie im Flow des Vortrags kontinuierlich detonieren lässt.

Oona Kastner skelettiert, filetiert, filtriert, destilliert, dehnt und verzerrt. In Echtzeit. Ohne Overdubs. Mit digitalem Equipment, Keyboards, präpariertem Klavier. Sowie mit einer Stimme, die dem konzeptionellen Vorsatz – in jeder noch so beiläufigen Nuance oder Sentenz – mehr als nur gewachsen ist. Im Umkehrschluss bedeutet dies auch, dass es nicht zwingend notwendig ist, die Originale so dermaßen verinnerlicht zu haben wie ihre Interpretin, um die innere Notwendigkeit des jeweiligen Anliegens nachvollziehen zu können.

Dass sie anlässlich von Live Solo Vol. 2 mit der Trans-Kreation dreier Songs von Laura Nyro (Gibson Street, And When I Die, Broken Rainbow) reüssiert, mag zudem als eine gemeinhin überfällige Verneigung gewertet werden. Droht doch die 1997 viel zu früh verstorbene Pionierin der gehobenen U-Musik in Vergessenheit zu geraten. Mit den auf diesem Album nun zu vernehmenden „Antworten“ vermag Oona Kastner dieser ungebührlichen Entwicklung Einhalt zu gebieten. Ein Nebeneffekt, der unabhängig von der Güte der Ergebnisse zu begrüßen und entsprechend hervorzuheben ist.

Broken Rainbow (Laura Nyro-Cover):
youtube.com/watch?v=WuoImLVAcrc

oona-kastner.de
facebook.com/oonasound

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