Joshua Radin, Köln, Kulturkirche, 29. Januar 2020

Ach wie schön, ach wie nett

Joshua Radin in Köln (Stephan Wolf)

In der bis an den äußersten Rand ihrer Kapazität gefüllten Kulturkirche zu Nippes genügt dem Erfinder des „whisper rock“ direkt zu Beginn seines Konzerts ein strahlendes Lächeln, um sein Publikum sofort für sich zu gewinnen. Was folgt, entbehrt zwar weitgehend jeglicher Überraschung, doch die Warmherzigkeit des Joshua Radin mag sicher nicht allein der Routine geschuldet sein.

Als ihm gegen Konzertmitte aus dem Backstage unaufgefordert ein zweites Glas Whisky gereicht wird, bricht es aus Joshua Radin heraus: Ein Publikum, das aufmerksamst zuhört, Getränke-Service – und das alles im sakralen Ambiente, das sei wohl nicht mehr zu steigern. Ob man ihn morgen nach Paris begleiten wolle, er würde für Wein und Käse sorgen. In solchen Momenten wird deutlich, dass es sich bei ihm um einen Künstler handelt, der Sentiment und Feingefühl nicht allein in seinen Songs zum Ausdruck zu bringen versteht.

Das Auditorium ist jedenfalls hingerissen. Von seiner Musik sowieso. Aber auch von seinen teilweise recht umfangreichen Ansagen, so diese auch manchmal nur die Banalitäten des Gutmenschentums verhandeln. Doch wenn er Einblicke in sein Leben gewährt, die Geschichten zu seinen Songs zum Besten gibt, hängt man ihm zwangsläufig an seinen stets lächelnden Lippen.

Und die musikalische Leistung? Flankiert von zwei Mitstreitern (an Akustikgitarre/Lap Steel sowie an den dezent-akzentuiert eingesetzten Keyboards), begeistert Joshua Radin mit kristallinem Klang sowie einer einwandfrei kraftvollen Stimme. Dass er das Yazoo-Cover „Only You“ direkt an die zweite Stelle seines Sets stellt, erweist sich als kluger Zug, da dieser Evergreen nun einmal verlässlich zündet. Quod erat demonstrandum.

Joshua Radin in Köln (Stephan Wolf)

Ferner sticht vor allem der Titelsong seines aktuellen Albums Here, Right Now heraus. Man spürt förmlich, wie er mit diesem Lied seine angeblich neun Monate währende Schreibblockade überwinden konnte. Ein Highlight inmitten eines ausgewogenen Sets, das die kontinuierliche Qualität seiner Songwriter-Tätigkeit angemessen abbildet.

In seinen besten Momenten erreicht Joshua Radin heute Abend sogar die meditative Intensität seines Kollegen und Freundes William Fitzsimmons. Wenngleich der Eindruck überwiegt, dass die beiden mindestens so viel trennt wie vereint. Joshua Radin ist einfach zu nett. Und dass weiß sein Publikum mit frenetischem Applaus zu honorieren.

Here, Right Now:
youtube.com/watch?v=Ojx8IaEmri4

joshuaradin.com

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