Porträts brasilianischer Komponist/inn/en LXIII

Regimentskapelle und Kantorei

Im Dragonerregiment von Minas Gerais leistete neben dem schillernden Zahnarzt, Goldschürfer und politischen Aktivisten Joaquim José da Silva Xavier (auch Tiradentes genannt) der Musiker Francisco Gomes da Rocha seine Dienste. Der Fagottist und Pauker übernahm exakt an der Wende zum 19. Jahrhundert die Leitung der Militärkapelle. Der amtierende Dirigent und Komponist José Lobo de Mesquita hatte nämlich wegen eines Streits mit seinem Vorgesetzten seinen Abschied von Ouro Preto genommen und siedelte nach Rio de Janeiro über, wo er ein bereits erblühendes Musikleben bereichern sollte.

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Brasilianische Militärtrommel, gefertigt und mit Verzierungen beschlagen von dem Instrumentenbauer Mauro Cateb (16.2.2013, CC-Liz.)

Francisco Gomes da Rocha (1745 – 1808) seinerseits erlangte über die Grenzen des Bundesstaats Minas Gerais hinaus Bedeutung, da er an verschiedenen größeren Kirchen unter anderem bei der Bruderschaft der Nossa Senhora da Conceição und São José dos Homens Pardos und dem Orden dos Mínimos de São Francisco de Paula nicht nur als Leiter und Instrumentalist, sondern auch als Kontraaltist und produktiver Komponist weiterwirkte.

Für Musiker und Sänger an der Kirche Nossa Senhora do Pilar zu Vila Rica komponierte Francisco Gomes da Rocha eine heute vielfach in Brasilien und Portugal erklingende ‚Novena‘ (Tetraktys, 30.9.2015, CC-Liz.).

 

Aus seiner Hand stammen um die 200 geistliche Werke, von denen jedoch nur fünf auf die Nachwelt kamen, unter denen das zum Anlass der Morgenmesse aufgeführte Vokalstück Spiritus Domini für acht Stimmen und Kammerorchester aus dem Jahr 1795 ebenso herausragt wie die schon sechs Jahre zuvor entstandene Novena zu Ehren der Schutzpatronin Ouro Pretos, Nossa Senhora do Pilar. Sie sieht in ihrer Besetzung vier Vokalstimmen, Violinen, eine Viola, Trompeten und Bass vor. Da der Stil auch von einem teils eher konservativen Sonderweg europäisch basierter Musik in Brasilien bestimmt ist, lässt er sich nicht eindeutig mit demjenigen der (frühen) Wiener Klassik vergleichen, sondern weist auch und gerade in der Kirchenmusik Strukturen barocker und vorklassischer Satzweisen auf.

Marsch für die Militärkapelle von Vila Rica / Ouro Preto

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.