Neue CDs vom Klassikmarkt

Drei Säkula

Auf manche Hörer/innen mag die Kammer- und Konzertmusik des Veronesers und Münchner Leiters der Hofkapelle Evaristo Felice Dall’Abaco ein wenig sperrig und verrätselt spätbarock wirken, anders naturgemäß die Musik seines Sohns Giuseppe Clemente (1710 – 1805). Eine interessante Entdeckung sind die bisher selten aufgeführten Cello-Sonaten des in Brüssel geborenen und am Ende seines Lebens in Arbizzano di Valpolicella wirkenden Komponisten.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Die bekannte Violoncello-Virtuosin Elinor Frey spielt mit ihrem Ensemble auf der Basis historischer Aufführungspraxis bisher wenig bekannte Cellosonaten Giuseppe Clemente Dall’Abacos (ET: 7.2.2020, Passacaille, ASIN: B083N55N6Q).

Zusammen mit ihrem Partner am Instrument, Mauro Valli, hat die junge Cellistin Elinor Frey fünf Beispiele dieser Gattung nun eingespielt und den Basso continuo sowohl durch den Klang der Erzlaute, gespielt von Giangiacomo Pinardi, als auch mit Federica Bianchi am Cembalo besetzt.

Frühe Musik für Naturhorn im 18. Jahrhundert spielt Ursula Paludan Monberg mit dem Pianisten Jonathan Cohen auf einer neuen CD beim Label Hyperion (ET: 6.3.2020, ASIN: B0833VRTWK).

Viel Sinn macht die Anfang März 2020 zu erwartende Zusammenstellung von Musik des 18. Jahrhunderts im Übergang zur Klassik für ungewohnte konzertante Musik mit dem Naturhorn, das im modernen Orchester ein leicht schief wirkendes Tonspektrum einbringt. In entsprechender Kammermusik von Georg Philip Telemann, Johann Heinrich Graun, Joseph Haydn, Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart entfaltet sich freilich der ganze Reichtum der Klangqualität gerade dieses Instruments – wie es die Solistin Ursula Paludan Monberg mit ihrem (Cello-)Partner Jonathan Cohen am Klavier eindrücklich demonstriert. Die Mehrzahl der erklingenden Werke trägt die im 18. Jahrhundert unspezifisch gebrauchte Bezeichnung Konzert, lediglich Grauns Komposition ist ausdrücklich als Trio deklariert.

Um den 20. März 2020 erscheint beim Label Tactus eine Aufnahme mit Musik des frühen 20. Jahrhunderts virtuoser Gitarristen und Mandolinspieler der italienischen Schule(n) vor und um 1900 (ET: 7.2.2020, ASIN: B082VT2ZR7).

Um den kalendarisch offiziellen Frühjahrsbeginn 2020 herum dürfen sich Klassikhörer auf eine Einspielung des Duos Zigiotti Merlante für Gitarre und Mandoline freuen. Der programmatische Pegel schwankt bei den Stücken im deutschen Sprachraum immer noch wenig bekannter Komponisten vom ausgehenden 19.  an der Schwelle zum 20. wie Carlo Munier (1859 – 1911), Enrico Marucelli (1877 – 1907) und Luigi Mozzani (1869 – 1943), einem Partner André Segovias, zwischen Oper, Liebeslied, exotischen Sujets und im Geistig-Intellektuellen zu verortenden Inhalten.  Das Repertoire basiert seinerseits auf dem öffentlichen virtuosen Spiel multiinstrumental versierter Praktiker, die die teils tänzerischen Stücke auf dieser CD, unter anderem Walzer, komponiert haben.

Enrico Marucelli: Capriccio Zingaresco

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.