Mariana Semkina - Sleepwalking

Packend sanft

Mariana Semkina: „Sleepwalking“ (Kscope/Edel)

Am Freitag erschient mit Sleepwalking (Kscope/Edel) das erste Solo-Album der „besseren Hälfte“ des russischen Art/Chamber/Prog-Duos Iamthemorning – Marjana Semkina (dass sie sich hierbei mit I statt mit J schreibt, ist beabsichtigt). Unter der Mitwirkung von Jordan Rudess (Dream Theater), Craig Blundell & Nick Beggs (Steven Wilson) sowie dem St.Petersburg Orchester „1703“ entfaltet die in jeglicher Disziplin überaus versierte Musikerin einen atmosphärisch höchst verdichteten Sog, der sämtliche Nuancen zwischen Kontemplation, Emphase und Euphorie auf sich zu vereinen versteht.

Die beliebtesten Vergleiche, die im Zusammenhang mit Mariana Semkina ins Spiel gebracht werden, gleich vorneweg: Kate Bush und Loreena McKennitt. Doch weder der revolutionäre Pop-Eklektizismus der großen kleinen Britin, noch der folkloristische Schmusesound der Kanadierin sind dazu geeignet, das eigentliche Vermögen der Russin zu beschreiben. Wie auch an der Seite von Gleb Kolyadin (als Iamthemorning) entzieht sich sich jeglicher Kategorisierung. Und bleibt – auf vorzügliche Weise – in erster und letzter Instanz sich selbst treu.

Zunächst habe sie ein Solo-Album gar nicht in Erwägung gezogen, gibt Mariana Semkina zu Protokoll. Doch im Laufe des Schreibens und Komponierens seien ihr die neuen Songs immer persönlicher geraten. Und letztendlich zu persönlich, um sie noch unbeschadet in den Kontext von Iamthemorning transferieren zu können. Das wird plausibel, sobald sie einer uneingeschränkt spürbaren Intimität den Vorrang gegenüber zugänglichen Gemeinplätzen gewährt. Und diesen Primat pflegt sie auf Sleepwalking – von Beginn an.

Generell haftet ihren Songs (und den jeweiligen Arrangements) etwas vereinnahmend Pulsierendes an. Reduzierte Passagen alternieren mit opulent ausgestalteten Abschnitten, dem „einfachen“ Lied scheint Mariana Semkina nicht auf der Spur zu sein. Vielmehr gerät ihr die gegebene Komplexität zu einer selbstverständlich anmutenden Angelegenheit.

Das oftmals kühl-barocke Element ihrer Stammformation weicht wärmender Anmut, wiewohl die lyrisch klar gehaltenen Aussagen eher vom Verlust besagten Wohlbefindens künden. Aber der Vortrag, mit dem Mariana Semkina hier ihren Emotionen gerecht wird, kann nur beglücken. Sleepwalking streichelt, packt, rührt und beruhigt. Ein wahres Über-Album.

Turn Back Time:
youtube.com/watch?v=W_pjbG_KlfY

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