Töne aus den Staaten: Oregon, Ohio, Kalifornien, Texas, Virginia

Ein „schriller“ Feierabendjob

Wie verschieden kompositorische Experimente in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausfallen konnten, zeigte eindrucksvoll die Pianistin Dika Newlin unter anderem durch ihre einigermaßen unkonventionelle nebenberufliche „Mutation“ zur Punkrock-Sängerin. Die Schönberg-Schülerin, die später eine Biographie über ihren Lehrer schreiben sollte, ging in den 1950er Jahren nach Studienjahren an der Columbia University, nach Maryland, dann an die Hochschule von Syracuse und erhielt ein Fulbright-Stipendium, mit dessen Hilfe sie in Wien unter anderem bei Schönberg weiterstudieren konnte; bei einem Konzert in Salzburg spielte sie im Rahmen des Festivals zeitgenössischer Musik selbst den Klavierpart in ihrem Trio op. 2.

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Arnold Schönbergs Lied ‚Erwartung‘ in Handschrift: Sein Unterricht und seine Formenlehre beeinflussten Dika Newlin maßgeblich (Library of Congress, 1.1.1909, US p.d.).

Schönberg war es auch gewesen, der bald nach dem ersten Zusammentreffen mit Newlin im Los Angeles der frühen 1940er Jahren eines ihrer Streichquartette als „zu pianistisch“ kritisiert hatte. Sie hatte sich davon wenig irritiert gezeigt, ihr Studium bald beendet und mit erst 22 Jahren an der Columbia University im Fach Musikwissenschaft promoviert. Sie propagierte in den Vereinigten Staaten maßgeblich Schönbergs Forschungen und seine dort häufig noch als innovativ wahrgenommene Schule.

Die Komponistin, Pianistin, Musikwissenschaft- lerin und Punkrocksängerin Dika Newlin (1923 – 2006) war eine außergewöhnliche Vertreterin (nicht nur) von Kunstmusik und Forscherin (Lic. non free, Arnold Schönberg Center, Österreich).

Zu Punkrock gewissermaßen als einer ausgleichenden Feierabendbeschäftigung fand Dika Newlin erst in den 1980er Jahren, als sie, längst Professorin an der Virginia State University, der sie treu bleiben sollte, etabliert war. Sie wirkte singend in passendem mehr oder weniger „schrägem“ Outfit an einem Horrorfilm von Michael D. Moore, einem Produzenten aus Richmond, mit und unterhielt bald eine eigene Band namens ApoCowLypso, in der sie neben ihren drei männlichen Co-Musikern sowohl sang als auch das Schlagzeug traktierte. Die über jeden Durchschnitt weit hinaus begabte Musikerin Dika Newlin, die aus Oregon stammte, verstarb 2006 nach einem äußerst vielseitigen und teils auch schrill bunten Berufsleben in Richmond.

Dika Newlin als Punkrocksängerin

Diskographie

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.