Interview mit Niklas Paschburg

„Wenn ich zu viel Zeit habe, drohe ich mich zu verlaufen“

Niklas Paschburg: „Svalbard“ (7K!/Indigo)

Als wir uns mit Niklas Paschburg, einem der bemerkenswertesten jungen Akteure im Grenzbereich zwischen Modern Classical, Electronic und Ambient, vor knapp zwei Jahren anlässlich der Veröffentlichung seines der Ostsee gewidmeten Debüt-Longplayers Oceanic trafen, zielten seine Mutmaßungen, wohin es ihn bei seinem nächsten Album ziehen würde, noch ins Leere. Er sei sich nur sicher, dass der Bayerische Wald wohl kaum infrage käme. Inzwischen ist Svalbard (7K!/Indigo, ab 28. Februar) vollendet. Und die Frage nach dem zentralen Ort seines Entstehens beantwortet: Spitzbergen.

Spitzbergen – zum norwegischen Staatsgebiet gehöriges Archipel und eine der weltweit nördlichsten Regionen, die dauerhaft bewohnt sind. Da drängt sich natürlich zunächst die Frage auf, was ihn dazu bewogen hat, sein zweites Album im geographischen Kontext maximaler europäischer Exotik anzugehen.

„Die Entscheidung für Spitzbergen fiel relativ kurzfristig“, hebt Niklas Paschburg an. „Mir war nur klar, dass es in die Kälte gehen sollte. In eine Gegend mit absoluter Schneesicherheit. Aber das ist heute ja gar nicht mehr so einfach“, spielt er auf die Folgen der Erderwärmung an. Irgendwann habe er dann Spitzbergen entdeckt. „Der Name sagte mir was. Und brachte ihn mit der dortigen Saatgut-Sammlung in Verbindung. Aber ich hätte zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht sagen können, was mich dort tatsächlich erwartet.“

Also begab sich Niklas Paschburg auf die Recherche. Und schon wenig später auf die Reise in die Dunkelheit. „Das kam ja noch hinzu. Ich bin im letzten Winter dort gewesen, wenn sich die Sonne monatelang überhaupt nicht blicken lässt. Diese Nacht in Permanenz hat dem Wunsch, mein inneres Gefühl in Ruhe zu erforschen, sicherlich entsprochen.“

Schließlich ging es ihm darum, Svalbard möglichst fernab jener Ablenkungen einzuspielen, die ihn daheim in Berlin-Friedrichshain oder auf Tour daran hindern, zum eigenen Wesenskern vorzudringen. „Und das ist mir in den zwei Wochen auf Spitzbergen tatsächlich auch gelungen“, frohlockt der Rotschopf. „Zumal mir von Beginn an klar war, dass ich das neue Album mit mehr Ecken und Kanten versehen wollte. Dass es im Vergleich zum doch recht ruhigen Oceanic auch lauter werden sollte.“ Die schroffe, wenn auch nicht direkt (zumindest für ihn und die dortigen Bewohner) lebensfeindliche Umgebung habe ihn bei der Umsetzung seiner Vorhaben durchaus auch kreativ motiviert.

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