Reminder - 26.02.20 - Helios37

The Legendary Pink Dots in Köln

The Legendary Pink Dots (facebook.com/legendarypinkdots)

Die Tour zum 40. offiziellen Album – Angel In The Detail – ist zugleich die Tour zum 40. Jubiläum. Da können nicht viele Bands mithalten. Und es gibt zudem nur wenige Bands, die sich zugute halten können, in jeglicher Hinsicht einzigartig und somit auch unverwechselbar zu sein. Denn den Legendary Pink Dots, 1980 in London gegründet, zwischenzeitlich in Nimwegen sesshaft und seit geraumer Zeit wieder von der Insel aus agierend, gelang es von Beginn an, ihren kreativen Eklektizismus in einen individuellen Klangkosmos umzumünzen, in dessen Weiten Chaos und Melodik eine mehr oder weniger gleichberechtigte Rolle zu spielen pflegen. Ein ungemein anregendes, gar betörendes Konzerterlebnis wartet – zum Glück auch mal wieder zu Köln – auf seine Gefährten.

Zugegeben, im Grunde verfügen die Dots lediglich über zwei Urgesteine: Keyboarder Phil Knight alias The Silverman sowie Sänger und Bühnen-Zampano Edward Ka-Spell. Die Wegbegleiter kamen und gingen, manche über einen längeren Zeitraum, andere wiederum lediglich in Form von stets markanten Gastauftritten. In einigen Konfiguartionen wimmelte es auf der Bühne vor lauter Personal, doch inzwischen vertrauen Ka-Spell und The Silverman weitestgehend auf die Unterstützung von Erik Drost an der Gitarre sowie von Joep Hendricx, der live für einen nahezu übersinnlich vereinnahmenden Sound sorgt.

The Legendary Pink Dots: „Angel In The Detail“ – 40 Jahre Psych-Pop-Avantgarde

Dass die Dots nach all den Jahren sehr genau wissen, was sie wollen und wie sie es erlangen, geht indes keineswegs auf Kosten eines routinierten Abspulens der Ereignisse. Hierzu bietet sich das vielfach vertrackte, allein seiner eigenen Logik gehorchende Songmaterial auch kaum an, wenngleich der Improvisation kaum noch Gelegenheiten zur Entfaltung eingeräumt werden. Vielmehr zielt die aktuelle Besetzung auf eine vollumfängliche Show ab, bei der die Synchronizität von sowohl dem akustischen als auch dem optischen Geschehen Priorität genießt.

In der Evolutionsgeschichte ihrer eigentümlichen Neo-Psychedelia markiert die zweite Hälfte der 80er-Jahre eine besondere Phase. Mit Alben wie Any Day How, The Golden Age oder Crushed Velvet Apocalypse entdeckten Ka-Spell und Co. ihre Lust am Popsong, die zuvor nur sporadisch eingeflochten war. Die dennoch stets gegebene fantastisch-morbide Atmosphäre machte sie damals nicht zuletzt zu einem heiß gehandelten Tipp für fortgeschrittene Schwarzkittel. Auch wenn sie später wieder verstärkt auf abstrakte Sujets setzten, sind sie bis heute gern gesehene Gäste auf einschlägigen Festivals geblieben. Fünf Gastspiele auf dem Wave Gotik Treffen zu Leipzig, das bis dato letzte datiert von 2016, sprechen für sich.

Wer angesichts der immens fantasiebegabten Diktion der Dots denkt, es handele sich bei Ka-Spel oder The Silverman um unverbesserliche Konsumenten von einschlägigen Substanzen, irrt. So erweist sich der aufgrund seiner Bühnenshow längst legendär gewordene Ka-Spel privat als ein freundlicher und in sich ruhender Familienvater, der gerne gesteht, dass ihn das Privileg, quasi ein Leben lang Musik gemacht zu haben, mit absolutem Glück erfülle. Die Ideen würden ihnen einfach nicht ausgehen wollen. Ein Ende der Dots sei nicht abzusehen.

Vermutlich werden die Dots auch darum ihr Jubiläum nicht an die allzu große Glocke hängen. Und eine bunte Nummernrevue durch die Jahrzehnte bieten. Sondern sich lieber auf ihr aktuelles (und gewohnt starkes) Album Angel In The Detail konzentrieren. Wiewohl man, wie bereits mehrfach angeklungen, bei dieser Ausnahmeband jederzeit auf Überraschungen gefasst sein muss.

Fernbleiben unerwünscht.

The More It Changes:
youtube.com/watch?v=TF-IhwLivMo

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