Laurin Huber - Juncture

Nichts so wie es scheint

Laurin Huber: „Juncture“ (Hallow Ground)

Mit Juncture (Hallow Ground) veröffentlicht der schweizerische Musik-Aktivist Laurin Huber (Wavering Hands, Krankenzimmer 204, zuletzt R.E.R.) erstmals ein Album unter eigenem Namen. Dies nur zur Orientierung. Legt er es doch hier darauf an, das dualistische (binäre) Denken in klar ersichtlichen Gegensätzen aufzubrechen. Indem er überlappt, verfremdet, rhythmische Widersprüche auflöst und somit Kenntlichkeit ins Ungewisse überführt. Und umgekehrt.

Und doch hört man die Glocken klingen, so auf dem Titeltrack. Dort moduliert und modifiziert Laurin Huber eine repetitiv-melodische Figur, bis die klangliche Phasenverschiebung ein drittes, viertes und fünftes Element offenbart. Extrem verdichtet organisiert, erzeugt dieser (altbekannte) Clou im Handumdrehen ein geradezu beglückendes Gefühl aus Erhabenheit und innerer Verortung.

Jatkins folgt, mit eher lauernden Techno/Industrial-Patterns. Es wird latent ungemütlich. Aber auch dies ein Trugschluss, den Laurin Huber in geradezu dialektischer Manier auflöst. Anlässlich von Hostage To History werden dann vorgeblich Versatzstücke referiert, die, zwischen Space-Synth und Downbeat oszillierend, zunächst verstörende, dann wieser sehr genehme Assoziationen ins Leben rufen. Das gesunde Misstrauen gegenüber den immer wieder mit dem Dancefloor flirtenden Patterns, sollte man sich indes erhalten. Acts wie Burial oder Vacant stehen – auch hier – Pate.

Mit dem elegischen Globus III beschließt Laurin Huber ein Album, das auf eine sehr zugängliche, sehr charmante Weise in Gedankengänge überführt, die tatsächlich jegliche Formen apodiktischen Dafürhaltens hinterfragen lassen. Das immersive Element erweist sich hier den performativen Vorteilen als deutlich überlegen. Musikalische Phänomenologie. Bravo!

Juncture:
youtube.com/watch?v=_1w3lH7dy8c

hallowground.badcamp.com/album/laurin-huber-juncture

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