Töne aus den Staaten: Minnesota, Kalifornien

Alles, was das Instrument hergibt

Das Faszinosum computererzeugter oder -unterstützter Musik setzte sich von den Gründermüttern und -vätern, man denke nur an das französische IRCAM-Zentrum oder an den bereits von Maschinen geprägten Arbeitsplatz Else Marie Pades in Kopenhagen, in die kommende Generation fort. Die in Minnesota aufgewachsene virtuose Flötistin Anne La Berge professionalisierte sich nach Jahren der Beschäftigung mit zeitgenössischen kammermusikalischen Werken im Zuge eines Promotionsstudiums an der University of California in San Diego, unter anderem in diesem Bereich. Ganz im praktischen Sinn experimentierte sie aber darüber hinaus im Duo mit dem Flötisten John Fonville im weiten Feld der analog erzeugten „Zwischentöne“, erkundete eingehend die Mikrotonalität.

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2010 erschien Anne La Berges Album ‚blow‘ beim Label Baby (Records) (ASIN: B01ABAVD5O).

Die Schwierigkeiten der Notation mikrotonaler Prozesse wurde zwar in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch eine zunehmende Vereinheitlichung überwunden, doch manifestiert sich das Spielen der Zwischentöne unter Ausnutzung des gesamten Ambitus eines Instruments selbstverständlich seit viel längerer Zeit in der Improvisation.

Die Flötistin Anne La Berge wurde 1955 im kalifornischen Palo Alto geboren und gilt als eine der ganz großen Improvisationskünst-lerinnen der Gegenwart. (Foto: Anja Conrad, 21.1.2015, CC-Liz.).

Nachdem Anne La Berge 1989 nach Amsterdam umgezogen war, entwickelte sie ihren kompositorischen Ansatz nicht nur weiter und nahm in Folge zahlreiche CDs in wechselnder Besetzung und verschiedenen Studios aufauf, sondern etablierte die Improvisationsreihe Kraakgeluiden, durch die dem Publikum jede Woche aktuelle und ständig fluktuierende elektroakustische Musik nahegebracht wurde.

Der Autodidakt Gert-Jan Prins tourte als Jazzmusiker mit Schwerpunkt Perkussion und als Improvisationsmusiker zusammen mit Anne La Berge 2000 und 2001 durch Nordamerika (Gert-Jan Prins, CC-Liz.).

Mit Gert-Jan Prins unternahm sie kurz nach der Jahrtausendwende unter dem Duo-Namen United Noise Toys eine Konzertreise durch Nordamerika, ab 2006 erweiterte sie den Horizont ihres Schaffens um weitere Parameter, als sie mit David La Berge Film, erzählende Stimmen und Performance von Musik in einem neuen Gesamtkunstwerk zusammenführte. Damit partizipierte sie, auch wenn sie selbst mit ihren Flötenpartnern seit langem zur Avantgarde zählte, an einem Trend in der gesamten westlichen Sphäre einschließlich Australiens. In Kooperation mit dem kanadischen Jazzbassisten Joe Williamson nahm sie 2015 das Jazzalbum The Hum, erschienen beim Label Unsounds auf. Die Komponistin definiert sich auch weiterhin durch ihre Kunst der Improvisation.

Diskographie Allmusic

 

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.