Hector Berlioz' erfolgreiches weibliches Pendant

Mme. Dumont und M. Farrenc

Genau genommen müsste man sie auch unter ihrem Mädchennamen Jeanne-Louise Dumont zur Kenntnis nehmen: Frankreichs bedeutendste Komponistin der Frühromantik, Louise Farrenc (1804 – 1875), führte wie ihre Musik schreibenden Zeitgenossinnen ein Schaffensdasein am Rand, auch wenn im Zuge der französischen Revolution einsetzende Emanzipationsbewegungen im Land westlich des Rheins wenigstens ideell zu greifen begannen und Frauen als Künstlerinnen trotz der Marginalisierung seitens männlicher Netzwerker als Künstlerinnen teilweise Anerkennung erfuhren.

Neues Erlebnis bei der Organisation Deiner Musikschule

Louise Farrenc war sowohl in emanzipatorischer Hinsicht als auch in ihren Kompositionen ihrer Epoche um einige Schritte voraus … (Olaf2, German Wikipedia, 1.6.2005, www.ambache.co.uk).

Die Pianistin Louise Farrenc war nicht nur als Tonkünstlerin eine außerordentliche und später auch anerkannte Persönlichkeit, sie war ehrgeizig genug, sich das (unabhängige) Auskommen als Komponistin durch die Gründung eines Noten- und Musikbuchhandels zu sichern, als sie den Flöte spielenden Mitstudenten Aristide Farrenc kennengelernt hatte. Mit ihm betrieb sie, nachdem beide Konzerttourneen durch ganz Europa unternommen hatten. Im Jahr 1842 erhielt sie nach Jahren emsiger Herausgeber- und Verlegertätigkeit, aus der neben anderem die über mehrere Jahre hin vorangetriebene Edition des dreiundzwanzigbändigen Monumentalwerk Trésor des pianistes resultierte, eine Professur am Pariser Konservatorium.

Jean Muller spielt den Klavierpart in Christoph Königs Aufnahme mit einer Auswahl aus Louise Farrencs Gesamtwerk (Marlene Soares, 27.6.2011, CC-Liz.).

Die einstige Schülerin von Ignaz Moscheles, Johann Nepomuk Hummel und Anton Reicha war bereits in ihrer Jugend von Cécile Soria, einer Clementi-Schülerin, unterrichtet worden und entwickelte wohl als Tochter eines erfolgreichen Bildhauerpaars ein entsprechendes künstlerisches Selbstbewusstsein. Dies sollte ihr später zugute kommen, als sie durch Eingaben bei Auber eine Höherstufung ihres Dozentinnengehalts auf das Niveau der männlichen Kollegen erreichte. Auch war sie die erste Komponistin Frankreichs, die eine Auszeichnung in der Bedeutung des Prix Chartier der Académie des Beaux Arts erhielt; sowohl im Jahr 1861 als auch acht Jahre danach wurde ihr dieser zuteil. Über die Grenzen Frankreichs hinaus war Louise Farrenc nicht nur ihrer Klavierkonzerte halber bekannt; Robert Schumann hob ihre Begabung schon 1836 in einer Rezension hervor.

Am 14. Februar 2020 erschien der zweite Teil von Christoph Königs Einspielung des Orchesterwerks der bedeutenden französischen Komponistin Louise Dumont/Farrenc mit den Europäischen Solisten Luxembourg (ASIN: B082JQ64HB, Naxos).

 

Durch zwei Einspielungen der Solistes Européens Luxembourg unter Leitung von Christoph König liegen mittlerweile ihre Symphonien Nr. 1 (1841), Nr. 2 (1845) und Nr. 3 (1847) vor ebenso wie zwei bedeutende Ouvertüren der erst Dreißigjährigen sowie ihre Grandes variations sur un thème du comte Gallenberg in der Version für Klavier und Orchester, auf CD zu hören mit dem Pianisten Jean Muller. Die nunmehr vorliegenden Aufnahmen machen die künstlerische Spannweite von Farrencs Werk deutlich, das von packendem dramatischem Zugriff ebenso zeugt wie von ungewöhnlichen Wendungen, etwa der höchst unerwarteten Modulation von Es- in D-Dur in ihrer Ouvertüre Es-Dur aus dem Jahr 1834; Hector Berlioz versuchte sich, von dieser inspiriert, an einer eigenen Orchesterversion.

Diskographie Louise Farrenc

 

 

 

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.