Douglas Greed - Angst

Muskulöser Wille zur Ambiguität

Douglas Greed: „Angst“ (3000 Grad Records/Rough Trade)

Wie wir spätestens seit Sein und Zeit von Martin Heidegger wissen, gilt es – im Sinne der menschlichen Kondition – zwischen Angst und Furcht zu unterscheiden. Dass sich der in Berlin ansässige Douglas Greed auf seinem ersten Album nach Driven (2014) die Angst (und dies sicher nicht nur im Sinne der „German Angst“) auf die Fahnen seines ständigen Schlagens von Haken geschrieben hat, wird schnell evident. Dass Angst (3000 Grad Records/Rough Trade) aber dennoch organische Strukturen ausbildet, die jegliche – überhastetet eingestreute – Auswüchse der Nervosität eliminieren, mag zu einem der großen Vorzüge dieses großartigen Albums zählen.

Insofern wäre es auch müßig und eitel, nun sämtliche Ingredienzien dieser irisierenden Scheibe aufzählen und analysieren zu wollen. Ebenso auch der Versuch einer Einordnung. Trip-Hop Nuancen, Delerium-Avancen, viel Club aus sämtlichen Epochen seit der Erfindung der elektronisch induzierten Infinitesimalrechnung. Ein beständiges Auf und Ab – jenseits (oder auch abseits) der rein hedonistisch intendierten Bespaßung.

Nein, was die Seriosität seiner Anliegen betrifft, versteht Douglas Greed keinen Spaß. Doch die pulsierende Lust an Klang und Struktur, der überzeugend berauschende Wille zur Ambiguität, erhebt Angst zum Manifest.

Wem es vergönnt war, Douglas Greed als DJ auf einschlägigen Veranstaltungen erlebt zu haben, mag sich sicher an jene temporäre Aufhebung der Gravitation erinnern, für die er auf dem Boden der Tatsachen steht. In einer Zeit der Distanz erweist sich Angst als das Mittel der Wahl, um Flashbacks zu generieren. Wenn auch nicht immer mit jenem trügerischen Glücksgefühl versehen, das Douglas Greed trotz des gewählten Themas stets anklingen lässt. In anderen Worten: Ganz großes Kino. Für Kopf und Glutealmuskel gleichermaßen.

The Few w/Odd Beholder:
youtube.com/watch?v=jRKjvzzV3Uc

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