Progom, Köln, 18. Mai 2020

Unverhofft am Vormittag

Ernie & Bert: „Progom“ – live (Stephan Wolf)

Ernie und Bert, zwei Motorsensen – was will man mehr?! Gut laut, irisierend synkopiert. Nur auf Dauer (ca. eine gute halbe Stunde) etwas zu wenig mit jenen dumpfen Beats unterfüttert, – die indes komplett ausbleiben. Aber für eine spontan einberufene Live-Session, die sich zudem noch der üblen „viralen“ Verbreitung zu entziehen vermag – nicht schlecht.

Köln-Mülheim, Vormittag, Innenhof. Zwei Kerle – Ernie und Bert – schwingen ihre Sensen. Und dies nicht weil sie ihre erigierten Latten im hölzernen Zaun vergessen haben. Nein, sie vollziehen eine Auftragskomposition, die unter dem Titel und Thema Progom (eine Reminiszenz an den mit Dekubitüs Research und Triage weltbekannt gewordenen Industrial-Künstlers Wolf69) das gesamte, der Gentrifizierung anheim fallende Wohnviertel zu spontanen Klatschaktionen verführt.

Das benzint (oladon is ellenörizhetö) befeuerte Sägen und Scharren, der Duft frisch geköpften Grases, versetzt mit dem Odeur von (E)Sprit – es werden in der direkten Umgebung im unmittelbaren Gegenzug etliche Alkoholika zu sich genommen – führt zu einem Kollektiverlebnis, das – völlig gratis – zwischen Industrial Music und Neuer Musik klug arbeitend vermittelt. Redundanz und Rodeo, – wer sich bald schon die Radieschen von unten ansehen darf, mag sich dank Ernie und Bert (sowie ihrem Programm Progom) schon im irdischen Dilemma auf Höllenlärm eingrooven.

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