Korte Metten (02)

Alternative zum Bibelkurs

Intro. Intro. Intro. Intro. Intro. Und aus.

Kamila Govorçin: „Anima (Clang)

Kamila Govorçin – Anima (Clang)
Die beliebige Schublade – Ambient – will sich hier nicht schließen. Sie klemmt. Und das tut gut, so gut! Es ist eher so zu vernehmen, als hätten Leonard Cohen und Joan Baez gemeinsam über Brian Eno sinniert. Nur um dann zu dem Schluss zu gelangen, dass Interesse und Intellekt letztlich doch vor dem Signifikanten, nicht dem Signifikat, in die Knie zu gehen neigt. Doch Neigung impliziert keinen Fall. Und so wahrt die chilenische DJ-ane eine Haltung, die persönliche Betroffenheit (schwere Zeiten halt) im Allgemeingültigen auflöst. Politik als Kulisse?! Nein, eher Referenz an den Moment einer alles erklärenden Umarmung. Anima sollte „zum Sonderpreis“ in Apotheken zum Kauf angeboten werden. Die Umsätze mit Paracetamol und Ibobrufen 1600 dürften dann ein wenig einbrechen.

facebook.com/kamila.govorcin

 

Bérangère Maximin: „Land Of Waves“ (Karlrecords)

Bérangère Maximin – Land Of Waves (Karlrecords)
Auch auf ihrem sechsten Album vermag es die französische Klangkünstlerin Gewissheit aus den Angeln zu heben und auf zuvor allenfalls vage vermutete Sockel zu bugsieren. Denn nichts will demjenigen ähneln, was sie hier als „kaleidoskopische Weltsicht“ entäußert. Texturen erstellen, das vermögen glücklicherweise viele Zeitgenossen. Doch Bérangère Maximin belässt es nicht dabei. Ein jeder von ihr erwählter Sound lässt sich vielfach interpretieren. Jedes Hörerlebnis ein anderes als das zuvor. Sie stellt Fragen, beantwortet sie im Modus der Wahl. Will sagen: Sie ist bei aller klanglichen Libertinage keineswegs beliebig. Sondern in einer Weise konkret, die Abgründe einebnet, von denen zuvor nur in den Hinterzimmern des guten bis schlechten Gewissens die Rede war.

facebook.com/berangere.maximin

 

Greg Fox: „Contact“ (RVNG)

Greg Fox – Contact (RVNG)
Wer bislang nicht glauben wollte, dass Percussion quasi im Alleingang Welten zu erschließen vermag, kann sich nun eines Besseren belehren lassen. In Kooperation mit Sound-Magier Randall Dunn (Sunn O))), Oren Ambarchi u.v.a.m.) erlöst Greg Fox mit Contact von sämtlichen Vorbehalten. Jazz-Drumming, Metal-Gebollere und elektronische Hypes: schürfend, erodierend, sakrosankt. Ist das noch Klang? Oder befinden wir uns hier bereits auf einer Meta-Ebene, die, auf Fellen gebettet und geeicht, mit ungerade erwachsenen Holzscheiten bearbeitet, zurück in die Realität des Phänomenalen führt? Keine Hoffnung, keine Angst.

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Už Jsme Doma & Randy: „Moravian Meeting“ (Klanggalerie)

Už Jsme Doma & Randy – Moravian Meeting (Klanggalerie)
Was für eine VÖ! Die tschechischen Proggies UJD spielten 2010 Variationen auf und um The Residents. Und wurden dabei – sozusagen live – von Randy (The Residents) kuratiert. Kaum zu glauben, doch die Wahrheit ist noch schöner. Wenn slawisch getünchtes Remmidemmi (die Trompete!) auf gut gelebte Avantgarde trifft, platzt der Ballon. Öfter als nur einmal. So die Tschechen, neben den Residents, The Damned, Pere Ubu und Uriah Heep als wichtige Inspirationsquellen preisen, mag man sich das Spektakel vorstellen, dass dieses Moravian Meeting auszeichnet. So viel gute Laune ist zwar kaum auszuhalten. Aber was uns nicht umbringt, bringt uns zum Erstrahlen und Lachen. Nicht aus Häme. Sondern aus purer Anerkennung einer – auch musikalisch – einwandfrei berückenden Leistung.

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Makoto Kawabata & RG Rough (Bam Balam Records)

Makoto Kawabata & RG Rough – s/t (Bam Balam Records)
Zwei, die sich zum Wohle aller gefunden haben: der Chef des notorisch herrlich bekloppten Acid Mothers Temple – Makoto Kawabata – und der Abwegen ebenso wenig abgeneigte Robert G. Rough. Doch wer nun jeglicher Form entbundene Ekstasen erwartet, dürfte sich falsch gewickelt wähnen: Sehr konzise und genau entwickelt das japanisch-britische Duo irisierende Soundscapes, die wirre Ausbrüche stets nur ankündigen. Diese latente Drohung, die Chose jederzeit auch munter umkippen lassen zu können, erzeugt Spannungsmomente en masse. Ist es denn nicht eine Lust, ständig betrogen zu werden? Vor allem ohne auch nur zu ahnen, um was?! Auf jeden Fall erweisen sich hier die Karten als bestens gemischt: Modern Psych, mit allem drum und dran. Wie man so schön sagt. Allein – es klingt noch viel viel besser!

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