Alphamay - Conformity

Gibt Kontra, Re – und doppelt Bock!

Alphamay: „Conformity“ (Battersea Electric)

Inhaltlich bewegt sich das sechste Album von Cris Frickenschmidt und Henning Hammoor verdächtig nah am Puls der Zeit. Allein schon das präzise gestaltete Artwork bringt das umfassende Thema auf den wunden Punkt: „Gleichförmigkeit als Doktrin?“ (Pressetext) In der Soziologie würde man von einem salienten Merkmal sprechen. Während also das vor allem und zunächst einmal sich selbst gegenüber höchst anspruchsvoll agierende Duo von Album zu Album die eigene Souveränität verlässlich neu definiert, scheint die allgegenwärtige Erregung kaum noch jenes Stadium der Stase überschatten zu können, derer sie sich verdankt.

Doch erstaunlicherweise agieren Alphamay, trotz ihren nunmehr vom Persönlichen ins Allgemeine tendierenden Themen, eingängiger als je zuvor, – ja, auf Conformity bewegt sich das Duo geradezu stromlinienförmig. Das Abstrakte ihrer Anfänge löst sich in einen permanenten Flow auf, der triftig zielgerichtetes Songwriting mit der Liebe zum Detail verwöhnt. Jenes Möbiusband, welches noch das Album Twisted Lines zierte, scheint aufgelöst. Und bleibt dennoch nicht enträtselt.

(facebook.com/electronicavantgarde)

Die vielfach (und am ehesten noch) mit der Klangsprache eines Peter Spilles (Project Pitchfork) zu assoziierende Fundierung von Conformity erweist sich als ein sachgerecht zwiespältig anmutendes Charakteristikum, als ein wohl sehr bewusst eingestreutes Interrogativpronomen. Darf man sich an einen Album wie Conformity „dieser Tage“ erfreuen, an ihm Spaß haben? Und dazu, mehr oder weniger allein, tanzen? Wo doch ein jeder Song geradezu danach schreit, live präsentiert und im kollektiven Rausch abgefeiert zu werden?

Gut, diese Frage bemüht Gemeinplätze, die inzwischen kaum noch jemand vernehmen möchte. Der Horror vor dem (kulturellen) Totalausfall entfaltet sich ubiquitär. Es sei denn, die von Alphamay skizzierten Good Old Days verdanken sich einem Trugschluss. Und alles, was wir nun erdulden, sei lediglich ein Afterglow. Um nicht die etwas strenger duftende Bezeichnung „After Burner“ ins Spiel zu schaufeln, die als Name eines vor rund dreißig Jahren kaum in sonderliche Erscheinung getretenem Arcade-Spiel für Belustigung von deutschsprachigen und des Englischen nicht gänzlich ohnmächtigen Kunden sorgte.

Alphamay – mit Plasmatics-Shirt (fotogra4bar.de)

Es soll jetzt nicht der Endruck entstehen, als wolle man die Relevanz des neuen Albums von Alphamay mit der des neuen Dylan-Albums auf die Wippschaukel werfen. Es sei vielmehr dafür plädiert, dass die von Cris und Henning beklagte Silence Of The Youth nicht der oftmals zaghaft brüllenden Vermarktung von Altvorderen überlassen bleibt, die Electro-Pop und Dark Wave als überkommenes Relikt in ihren Nebennieren wähnen. Aktueller kann ein Album kaum sein. Aber das wurde ja bereits zu Beginn festgestellt. Inwiefern indes Aktualität vonnöten ist, um musikalische Qualität überhaupt wertschätzen zu können, bleibt eine höchst persönliche Angelegenheit.

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