Musik der Karibik LXXIV

Danza Puertorriqueña

Einen Seekatzensprung von Havanna entfernt unterhält der den Vereinigten Staaten assoziierte östlich gelegene Inselfreistaat zwei Orchester, ein Sinfonisches und ein Philharmonisches Orchester. Viele der von hier kommenden Musiker suchten einst in New York ihr Auskommen, davon auch etliche als Plattenproduzenten, doch nicht alle konnten sich etablieren und gingen in ihre Heimat zurück. Bislang machte auf klassischem Gebiet das Casals Festival von Puerto Rico von sich reden, das prominente Gäste aus aller Welt anzog.

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Das Konservatorium von Puerto Rico in San Juan wurde 1960 unter anderem auf Betreiben von Pau Casals gegründet (Dsmorales, 29.11.2013, CC-Liz.).

Weniger bekannt ist in Europa, dass aus dem nicht auffällig großen Staat eine nicht eben geringe Zahl an Komponisten hervorging, namentlich im neunzehnten Jahrhundert: Neben Manuel Gregorio Tavárez sollte hier an seinen 1857 in der Stadt Ponce geborenen Schüler Juan Morel Campos erinnert werden: Dieser trat zunächst besonders als Musiker hervor; er konnte nahezu alle Orchester der Blaskapelle spielen und entwickelte sich zum wichtigsten Vertreter der indigenen Gattung Danca. Neben den tanzbaren Genres gehörte seine Neigung auch der Komposition von Märschen, Sinfonien und Ouvertüren.

Zu Ehren von Juan Morel Campos (1857 – 1896) wurde in seiner Vaterstadt Ponce diese Statue errichtet (Marine 69-71, 31.10.2008, CC-Liz.).

Der Gründer der Asociación Musical de Puerto Rico war der etwas jüngere Musiker Julio Arteaga, der gleichermaßen aus Ponce kam und später an der von ihm selbst dort gegründeten Akademie die Fächer Klavier, Orgel, Gesang und Theorie unterrichtete. Seine zweite Heimat als auftretender Musiker war New York, wo er Violine und Klavier studiert hatte und wohin er wieder zurückkehrte und unter anderem den Orgeldienst an der St. Patrick’s Cathedral versah. Arteaga schrieb etliche gefühlvolle Danzas, die teils in Verbindung mit einer Geliebten stehen, darunter Alma sublime.

Juan Morel Campos (PR p.d.)

Neben ihm ist der etwas ältere hochtalentierte Flötist Braulio Dueño Colón aus San Juan zu nennen, der wie Juan Morel Campos auch im Bereich der symphonischen Musik Bedeutenderes leistete, schließlich aber mit seinen Canciones Escolares (1912) aus der Zusammenarbeit mit Virgilio Dávila und Manuel Fernández Juncos Bleibendes schuf.

Diskographie Juan Morel Campos

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.