Erwähnungen einer antiken Trompete

„Unmusikalisches“ Instrument?

Der hohe und spitze Ton eines namhaften antiken Metallblasinstruments eignete sich zwar zur Begleitung kultischer Ereignisse oder um Kriegszüge und -triumphe zu signalisieren, doch zum Hervorbringen von Musik im lyrischen Sinn war die vielleicht von einem Verb für „pfeifen“ ableitbare Salpinx, die vermutlich von außerhalb kam und keine griechische Erfindung war, eher ungeeignet: Sie kann nur wenige klare Töne erzeugen und wurde ihrem vorwiegenden Einsatz entsprechend Pallas Athene in ihrer Eigenschaft als Kriegsgöttin zugeschrieben.

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Salpinx-Darstellung auf einer Vase im Museum Antonio Salinas, Palermo (NI1853, Marie-Lan Nguyen, 26.8.2008, CC-Liz.)

Die gerade, aber leicht konisch geformte enge Röhre des trompetenartigen Instruments war aus Eisen oder aus Bronze gefertigt und versehen mit einem Kesselmundstück aus Knochen oder Horn; der Schalltrichter lief in Form einer Glocke aus. In Homers Ilias wird sie im Zusammenhang mit Achill, der um Patroklos trauert und durch seinen Aufschrei die Troer erschreckt, eindeutig im Sinne eines Signalhorns erwähnt:

auch seitwärts Pallas Athene
Schrie lautauf; und die Troer durchtobt‘ unermesslicher Aufruhr.
Wie wenn hell auftönet der Kriegsausruf der Drommete,
Wann um die Stadt herwühlt wehdrohender Feinde Getümmel: (…)
(Buch XVIII, Vs. 219, Übersetzung von J. H. Voß, bearbeitet von E. Gottwein)

Beim Label Olympus erschien 2003 dieses Album mit Rekonstruktionsversuchen griechischer Musik des Altertums, darunter das Stück ‚Salpinx‘ (ASIN: B001SWYR6C).

Etwa drei Jahrhunderte später wird die Salpinx von den Tragikern Aischylos und Sophokles erwähnt, in der Kaiserzeit von einem griechischen Sophisten „der zweiten Schule“, Julius Pollux. Außer zu Kriegsanlässen dürfte das nahezu ausschließlich als Signalgeber verwendbare Instrument vielleicht bei olympischen Wagenrennen oder zu Versammlungen gebraucht worden sein.

Literatur u.a.
Rory B. Egan: The Assonance of Athena and the Sound of the Salpinx: „Eumenides“ 566- 571,  in: CJ, Vol. 74, 1979, S. 203 – 212.
Nikos Xanthoulis: The Salpinx in Greek Antiquity. In: International Trumpet Guild Journal. Bd. 31, Oktober 2006, S. 39 – 45.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.