Pfade durch die Musiklandschaft Australien LXIX

Flamme und Schatten

Erst kürzlich, anlässlich eines Konzerts des klassisch basierten PLEXUS Ensemble, kam Anne Cawrses 2019 geschriebenes Kammermusikstück Flame and Shadow für Sopran, Violine, Klarinette und Klavier zu gebührenden Ehren, wenn auch die Aufführung selbst nicht vor physisch präsentem Publikum, sondern nur online ermöglicht wurde. Die Idee ebenso wie den Titel und Teile des Gedichts entlieh die 1981 geborene Komponistin dem Zyklus der amerikanischen Autorin Sara Teasdale.

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Das St. Mary’s College, zu dessen rundem Geburtstag Anne Cawrse mit einer Orchesterkomposition gratulierte, wurde 1868 von sieben Schwestern in Adelaide gestiftet (Dominican Education Australia).

Das Gedicht besteht aus 12 Strophen, die jede für sich auch einen Satz bilden könnten, der aber durch bloße Impressionen, großenteils einzelne Wörter demontiert erscheint. Romantische Assoziationen in Bildern und Zitatfetzen aus Literatur reihen sich aneinander, die oft mit Natureindrücken, Orten und Erwartungen zu tun haben. So rekonstruiert das lyrische Ich etwa ein Wiedersehen mit einem (ganz konkreten) Geliebten: „Day and Night / Compensation / I Remembered / „Oh You Are Coming“ / The Return / Gray Eyes / The Net / The Mystery.“

Die Australierin Anne Cawrse deckt in ihren Kompositionen ein breites Repertoire zwischen Kammermusik, Chor- und Orchesterwerken ab (Benbogey, 14.10.2009, AU p.d.).

Anne Cawrses persönliches Credo zur Musik folgt scheinbar dem Gedankengut mystischer Verinnerlichung, gleichermaßen ist aber eine pantheistische Perspektive spürbar: „How can music not reflect life – what we see, what we hear, what we feel? What I write must be, in essence, who I am.“ Ihre selteneren Klavierstücke klingen zum einen fast tonal und in ihrer Satzweise traditionell, andererseits entwickeln sie ihre von Motivrepetition geprägte eigene kontrapunktische Motorik und verflüchtigen sich gerne in einer scheinbar endlos verlaufenden Kette. Die größere Neigung der Komponistin zur Lyrik manifestiert sich in den zahlreichen Liedern, häufig für Sopran (aber auch die drei weiteren Stimmlagen) mit anderen Instrumenten gesetzt.

Die unglücklich verliebte Lyrikerin Sara Teasdale (1884 – 1933) inspirierte Anne Cawrse zu einer ihrer neueren Kompositionen. (Arnold Genthe, AU p.d.).

Daneben reüssierte Anne Cawrse bisher immer wieder auch mit Werken für Orchester oder ausgesuchte Besetzungen größerer Ensembles, so Bound for a foreign land, mit dessen Komposition sie anlässlich des 150. Geburtstags des heute dominikanisch verwalteten St. Mary College in Adelaide beauftragt wurde. Es reflektiert die historisch bezeugte Ankunft von sieben irischen Schwestern eines Auswandererschiffs, die an unbekannter Küste anlegten und dort eine Schule gründeten. Die feierlich begangene Uraufführung dieses ersten Teils eines geplanten Triptychons fand am 10. August 2019 im Entertainment Centre Theatre von Adelaide statt.

How can I keep from singing?

Soundcloud Anne Cawrse

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.