Opera Gloriosa: Premiere mit Ausschnitten aus italienischen Opern

Neuanfang

Nicht nur mit den bekanntesten Nummern italienischer Opern, auch mit den seltener aus den Medien zu hörenden emotional aufgeladenen wie nachdenklich stimmenden Arien wartete das Theater Erfurt zum Ende der Saison 2019/2020 am Domplatz auf. Das Orchesterspiel am gestrigen Freitagabend fiel dank der neuen Zeltbühne auch akustisch mehr als zufriedenstellend aus, das Publikum ging am Ende begeistert mit, befeuert durch den im Spiel der Lichteffekte wiedergewonnenen Schwung des Chefdirigenten Myron Michailidis, der ein auf gleichmäßig hohem Niveau agierendes Philharmonisches Orchester leitete.

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Siyabulela Ntlale übernahm am 10. Juli 2020 anlässlich der Eröffnung der Domstufen-Festspiele die wie auf ihn zugeschnittenen Rollen des Germont (La Traviata) und des Nabucco (Lutz Edelhoff, Theater Erfurt).

Abgesehen vom Gag des schrittweisen Abgangs der Musiker zum Ende der Leichten Kavallerie als „Sahnehäubchen“ auf dem Abend inklusive eines mehrminütigen Feuerwerks seitlich von dem in originelle Farbspiele getauchten Dom eignete der Aufführung doch ein gewisser Ernst angesichts der nicht vollständig überwundenen Lockdown-Zeit.

Im Angesicht der Umstände allerdings war der Wiedereintritt in das öffentliche Konzertleben ein durchaus mutiger Vorwärtsschritt des Theaters und seines Intendanten Guy Montavon, der in seiner präludierenden Rede auch die Notwendigkeiten der Beschränkung aus gebotener Rücksicht auf die Gesundheit aller betonte.

Besonders als Leonora gewann die ukrainische Sängerin Yulianna Bawarska das Publikum (Lutz Edelhoff, Theater Erfurt; rechts im Bild: GMD Myron Michailidis).

Der einmal aufgenommenen Fahrt des Orchesters, seines Leiters und der hochkarätigen sängerischen Solistenbesetzung taten Abstands- und andere Regeln keinen Abbruch. Der amerikanische Tenor Brett Sprague überzeugte als Macduff in Verdis Macbeth und in der Rolle des Alfredo im Trinklied Libiamo aus Verdis La Traviata. Gleichermaßen löste die aus großen Partien bekannte Gastsopranistin Yulianna Bawarska  Leonoras Arien Tacea la notte placida sowie Di tale Amor ein, dann auch besonders einfühlsam als Hauptfigur in Puccinis Sola, perduta aus der Oper Manon Lescaut.

Feuerwerk mit „Leichter Kavallerie“ zum Abschluss des Abends ‚Opera Gloriosa‘ (L. Edelhoff, Theater Erfurt)

Die Bässe Khakhaber Shavidze und Siyabulela Ntlale füllten stimmlich einmal mehr den weiten Raum des Domplatzes. Nach dem gelungenen Neuanfang des Theaters Erfurt dürfen Opernfans auch auf die Operettenabende In 80 Minuten um die Welt gespannt sein.

Spielplan des Theaters Erfurt

Weitere Spieltage Opera Gloriosa:
16., 18., 23., 25., 29., 31.7., 2.8.2020

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler aus München; Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.