Korte Metten (04)

Wunschloses Glück

Chris Watson / Georgia Rodgers: „Notes From The Forest Floor / Line Of Parts“ (SN Variations)

Asynchrone Systolen. Heilfasten mit Alkohol. Aromatische Deputate aus Fallobst und Bio-Gemüse. Mit Shag-Krümeln gestreckter Instantkaffee (schwer löslich), Adipozyten-Transplantation aus der Wölbung ans Gesäß. Und dazu: Gute Musik! Was will man mehr?!

Chris Watson / Georgia Rodgers – Notes From The Forest Floor / Line Of Parts (SN Variations)
Zwei Field Recordings-Generationen teilen sich einen Longplayer: Während Routinier (und Cabaret Voltaire-Urgestein) Chris Watson – subtil bis zur Indifferenz – das Klangambiente des Regenwalds (Costa Rica) unterfüttert, lässt die britische Akustikerin Georgia Rogers eine Dominanz ihrer Formgebung zu. Ausgangsmaterial hier: Regentropfen auf Metall. Beide Werke erfuhren ihre Uraufführung als Multikanal-Installation. Doch auch im Stereo-Mix entfalten sie eine immersive Wirkung, die vertrauter klingt, als man zunächst vielleicht vermuten möchte.

snvariations.com

Charles Hayward: „Crossfade Estate“ (Klanggalerie)

Charles Hayward – Crossfade Estate (Klanggalerie)
Bereits 2005 eingespielt, erfährt die „musikalische Seifenoper“ hiermit ihre Erstveröffentlichung. Unterstützt von neun Gastmusikern, darunter Sean O’Hagan, Rob Mills und Sharon Gang, die jeweils ihre „Charaktere“ einbringen und interagieren lassen, entstand unter der Federführung von Hayward (sowie der Verwendung von MiniDiscs!) ein Vexierspiel aus Rahmenhandlung und wild-wirrem Clash. Detailverliebt as fuck, gerne zerrend gegen den Strich gebürstet, trunken vor Elan. Flüchtige Symbiosen ohne gegenseitige Verpflichtungen, die kein Konzept festzulegen vermochte. Alles, nur kein Freejazz.

facebook.com/charleshayward.org

Ian Arkley: „one“ (Opa Loka Records)

Ian Arkley – one (Opa Loka Records)
Wenn alles möglich erscheint, mag so manch einer in die Beliebigkeit abdriften. Dies ist bei dem walisischen Musiker Ian Arkley (My Silent Wake) nicht der Fall. Denn er versteht es, eine noch nie dagewesene Melange aus Psychedelia, Neofolk, Ambient und improvisierter Musik in ein Konvolut zu bündeln, das nicht nur Orientierungshilfe leiset, sondern sogar Orinetierung bietet. Sicherlich erweist sich die vielfältig ausgestattete Instrumentierung als intellektuelle Herausforderung. Dennoch bleibt der Abstraktionsgrad erfreulich zugänglich, was dieses Album nicht nur zu einer Empfehlung für selbst ernannte Musikwissenschaftler macht.

facebook.com/ianarkleymusic

Yannis Kyriakides & Andy Moor: „Pavilion“ (Unsounds)

Yannis Kyriakides & Andy Moor – Pavilion (Unsounds)
Anstatt wie üblich luso-hellenische Volkslieder zu verhackstücken, destillieren Kyriakides und Moor (The Ex) 45 Minuten aus neun Stunden – überwiegend – improvisierten Material, entstaden 2017 im französichen Pavillon auf der Biennale zu Venedig. Studioarbeit als Teil einer Kunst-Installation, mit Moog, Buchla und Vermona an der Stromstrippe. Von melodischer Orientierung dekontaminiert, stricken die beiden Freunde an einer Bricolage, die Fallstricke ebenso einpreist wie die Versuchung, allen Widerständen trotzend, jenen roten Faden zu dechiffrieren, der Pavilion auf rätselhafte Weise mit Kohärenz ausstattet. Verflixt stimulierend, das Teil.

facebook.com/yannis.kyriakides

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