Deep Purple - Whoosh!

In-Rock

Deep Purple: „Whoosh!“ (earMUSIC/Edel Germany)

Whoosh! (earMUSIC/Edel Germany, ab 7. August) – der lautmalerische Albumtitel ist Programm: Während die beiden direkten Vorläufer-Werke NOW What?! (2013) und inFinite (2017) vorwiegend gut abgehangene Qualitätsware aufbieten, versprüht Longplayer 21 einen vitalen Elan, der nachdrücklich unter Beweis stellt, dass hyper-klassischer Hard Rock – von alteingesessenen Könnern und Koryphäen dargeboten – auch anno 2020 auf Anhieb Begeisterungsstürme auszulösen vermag.

Am 19. August feiert der Stammesälteste, Sänger Ian Gillan, seinen 75. Geburtstag. Mit diesem Hinweis sei der Betonung des fortgeschrittenen Alters der Beteiligten – inklusive Produzenten-Legende Bob Ezrin – Genüge getan. Widmen wir uns lieber dem immens knackigen Doppelschlag, mit dem Gillan, Glover, Paice, Airey und Morse ihre Scheibe aufrauschen lassen: Throw My Bones und Drop The Weapon machen direkt mal klar Schiff. Und pulverisieren im Handumdrehen jegliche Zweifel an der Aufrichtigkeit des Unterfangens „Let’s put the DEEP back into PURPLE“. Denn auf diesem eigenmächtig auferlegten Motto fußt die Erfüllung sämtlicher Hoffnungen, die man in Bezug auf dieses Album nur hegen konnte.

Standards wie No Need To Shout oder What The What klingen sowohl kompositorisch als auch energetisch unverbraucht; dass hier nicht würdelos auf Nummer 08/15 gezockt wurde, erschließt sich auf Anhieb. Die wahren Perlen werfen die Briten jedoch immer dann in die Tröge, wenn der Weg des geringsten Widerstands verlassen wird, die Songstrukturen komplexer werden, Don Airey Tastengas zelebrieren und Steve Morse Filigranarbeit abliefern kann. So etwa bei dem wundersam verschleppt daher kommenden Nothing At All oder anhand von Step By Step, das per Orgelklang zur munsteren Monsterparty lädt.

Deep Purple (earMUSIC/Ben Wolf)

Weiterhin gehören The Power Of The Moon und Man Alive in die Kategorie der Extraklasse: Denn auch hier wird die gediegene Power mit überraschenden Beigaben kredenzt, die dafür sorgen, dass die Halbwertszeit eine genüßliche Elastizität aufweist. Whoosh! erweist sich also als wesentlich gehaltvoller als a priori vermutet. Und wenn es auch nur ein weiteres „gutes“ Album getan hätte: Hier holen Deep Purple nochmals so richtig aus, um den Lukas vom Pfahl zu pfeffern. So kann es weitergehen. Immer weiter.

Nothing At All:
youtube.com/watch?v=9A0g8sh80D0

Man Alive:
youtube.com/watch?v=ojHRoKzQwfE

Throw My Bones:
youtube.com/watch?v=QUW7PvvbbO4

deeppurple-whoosh.com

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!